Der etwas andere Froschschenkel

Eine indifferente Sushi-Hütte wurde zum speziellen Vietnamesen

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 23/16 vom 08.06.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Am Anfang war das Eckbeisl. Das wurde irgendwann einmal zum Chinarestaurant, weil große Portionen billigen Ragouts mit würziger Sauce und nachher noch Pflaumenwein, das ließ man sich in Wien schon gefallen. Aber halt auch nicht ewig, weshalb die Chinarestaurants das Sortiment erweiterten, um Sushi, um Curry, und sich Pan-Asia-Restaurant nannten. Die Pan-asiaten verschwanden wieder, und es kamen – siehe da! – vietnamesische Restaurants.

Das war schon ein wenig überraschend, denn so wahnsinnig gut und interessant die vietnamesische Küche auch ist, wirklich abgezeichnet hat sich der plötzliche Boom nicht, und so riesig ist die vietnamesische Community in Wien auch nicht gerade: Nur wenige der in Europa aufgenommenen Boatpeople kamen in den 70er- und 80er-Jahren nach Österreich, mit dem Fall des Eisernen Vorhangs übersiedelten dann noch ein paar ehemalige Gastarbeiter aus dem kommunistischen Bruderstaat Vietnam von Tschechien nach Österreich.

So auch Nguyen Hungs Vater mit seiner Familie. Nguyen Hung begann bald im Pho Sai Gon zu arbeiten, vor einem Monat machte er gemeinsam mit seiner Frau Mai Lan sein eigenes Restaurant auf, das Bep Viet. Sagen wir so: Das schönste aller vietnamesischen Restaurants in Wien ist das Bep Viet nicht, es wirkt mit seinem Kantinendesign und dem kalten LED-Licht etwas melancholisch. Aber dafür ist die Lage super. Und Familie Nguyen versucht außerdem, sich küchenmäßig ein bisschen von den vielen anderen Vietnamesen abzuheben – das heißt, genau das anzubieten, was die anderen auch anbieten, aber dann noch was dazu. Was zu einer Karte von knapp hundert Positionen führt – zu viel!

Die Sommerrolle mit Rindfleisch ist zum Beispiel so ein Fall: Die Reisteigrollen mit Glasnudeln und gebratenem Faschiertem sind zwar weit entfernt von jeglicher Authentizität, „aber in Wirklichkeit rollen wir in Vietnam sowieso alles, also warum nicht auch Rindfleisch“, meint Hung. Und die Rollen (die natürlich weniger hübsch aussehen als die mit Shrimps gefüllten) sind auch wirklich nicht schlecht, zartes Zitronengras-Aroma, allerdings etwas instabil (€ 3,80). Der knusprige Entensalat erwartungsgemäß großartig, Entenstückchen, Zwiebel, Minze, gerösteter, gemahlener Reis, Chili, herrlich (€ 5,20). Und dann etwas wirklich anderes, nämlich Froschschenkel im Tontopf. Das sei eine Garmethode aus seiner Heimat in Nordvietnam, erklärt Hung, ein brennend heißer Eintopf aus Froschschenkeln, Tofu, La-Lot-Blättern und einem seltsamen Gemüse, das an eine Mischung aus Aubergine und Süßkartoffel erinnert und sich als geschmorte grüne Bananen mit Schale herausstellte. Vor allem die Suppe war – sobald sie nicht mehr brodelte – absolut fantastisch, tolles Gericht jedenfalls (€ 12,90). Vom spröden Charme nicht abschrecken lassen und unbedingt hingehen.

Resümee:

Ein neues vietnamesisches Restaurant, das zwar keinen Designpreis gewinnt, aber dafür herrliche Eintöpfe kocht.

Bep Viet
4., Favoritenstr. 2
Tel. 01/992 12 00
Mo–Fr 10.30–22.30, Sa, So 17–22.30 Uhr


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