"Ich habe Handke mit Haneke verwechselt"

Der US-Jazzer Ken Vandermark ist ständig auf Achse. Ein Gespräch über das Leben als reisender Saxofonist, über seine Widmungsmanie und Thomas Bernhard


Interview: Klaus Nüchtern
Feuilleton | aus FALTER 23/16 vom 08.06.2016

Ken Vandermark ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der umtriebigste Jazzmusiker, den das 21. Jahrhundert bislang kennt. Seine Website listet 52 verschiedene Bands auf, von denen 16 als derzeit "aktiv" ausgewiesen sind; die Zahl der Tonträgerveröffentlichungen geht in die hunderte. Eine der interessantesten, die zuletzt erschienen sind, trägt den vielversprechenden Titel "What Thomas Bernhard Saw", eingespielt mit dem Tentett Audio One.

Der Saxofonist und Klarinettist Vandermark ist ein packender und kraftvoller Improvisator, geht über die notorisch expressive Kraftlackelei mancher Free Jazzer aber weit hinaus. Der kompositorische Zugang, die Strukturierung des musikalischen Geschehens und der Klang eines Ensembles sind ihm ebenso wichtig. Dabei erweist sich der 51-Jährige, der 1999 mit dem gern als "Genius Award" bezeichneten MacArthur Fellowship ausgezeichnet wurde und das Preisgeld von 500.000 Dollar umgehend in Aufnahmen und eine Tour des Peter Brötzmann Tentet investiert hat, als

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