Film Neu im Kino

Linklaters Boyhood: "Everybody Wants Some!!"

Lexikon | Michael Omasta | aus FALTER 23/16 vom 08.06.2016

Dank eines Stipendiums kommt Jake (Teenieschwarm Blake Jenner, bekannt aus der TV-Serie "Glee") im Jahr 1980 ans Southeast Texas College und zieht zu seinen Teamkollegen ins Wohnhaus der Baseballmannschaft. Die bunt zusammengewürfelte Truppe hat noch drei Tage und Nächte bis zum Semesterbeginn, um sie mit Partys, philosophischen Exkursen, viel Bier und Girls totzuschlagen.

Das Ganze sei ziemlich autobiografisch, sagt Autor, Regisseur und Produzent Richard Linklater über "Everybody Wants Some!!", wobei die zwei Rufzeichen im Titel schon Programm sind: das pralle Leben, die lauteste Musik, die schicksten Schnauzer und dümmsten Anmachsprüche -konterkariert nur dadurch, dass sich Beverly (Zoey Deutch), das einzige Mädchen, das in diesem Film nicht bloß Staffage ist, ausgerechnet für Jake, "den Stillen auf dem Rücksitz", interessiert.

Der amerikanische College-Sportler-Film ist ein Genre, das bis auf Buster Keaton und Harold Lloyd zurückgeht, die Slapstickheroen der Stummfilmzeit. Das unbekümmert Komische ist ihm seit seinen Anfängen eingeschrieben. Linklater zeichnet Jake und seine neuen Freunde als noch unfertige Charaktere, die sich in verschiedensten Masken und Posen erproben .Nicht nur die Musik, auch die Schauplätze und das ganze Umfeld, in dem sie sich bis zum Semesterbeginn herumtreiben, wechseln mehrmals: vom Nachtclub zur Country-&-Western-Bar zum Punk-Club zur Performance-Party der Theater-und Kunststudentinnen.

Dramaturgisch gesehen ist "Everybody Wants Some!!" so etwas wie die Gegenthese zu "Boyhood", keine Langzeitstudie, sondern ein Film der zeitlichen Verdichtung und des Countdowns und darin eher seiner "Before"-Trilogie verwandt. Ein schwereloser Ensemblefilm über eine Welt, die von hier und heute aus betrachtet so fern scheint wie der Mars.

Weiterhin im Artis (OF) und Gartenbau (OmU)


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