Ein Verwöhnungsprogramm für Vollkoffer und gottverfickte Fotzen: Die Neuübersetzung von "Sturmhöhe" drückt stark auf die "Schau, was ich mich trau!"-Tube

Feuilleton | aus FALTER 23/16 vom 08.06.2016

Neuübersetzungen von Klassikern der Weltliteratur sind zwar en vogue und prestigeträchtig, müssen sich allerdings auch gegenüber den bereits existierenden legitimieren und auf dem Markt erst durchsetzen. Deswegen wird von ihnen gerne behauptet, dass sie eine völlig neue Sichtweise auf ein bislang noch nicht wirklich ausgelotetes Werk eröffnen. Auch im Falle von "Sturmhöhe" verspricht der auf dem Gebiet der Klassikereditionen besonders verdienstvolle Hanser-Verlag, dass Wolfgang Schlüters soeben erschienene Übersetzung von Emily Brontës Roman die Entdeckung eines "anderen Romans" ermögliche: "bedrohlich, leidenschaftlich, ausdrucksstark."

"Ausdrucksstark" ist ein gutes Stichwort, denn schon in ihrem Vorwort zur Neuausgabe von 1850 hatte Emilys ältere Schwester Charlotte nicht nur deren ungezähmte, mit "rauen, krassen Äußerungen" durchsetzte Sprache gegenüber einer zartbesaiteten und mit den "ungezügelten Aversionen und ungestümen Neigungen unkultivierter Sumpftrotter" nicht


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