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Wenn das Internet nicht mehr verbindet

Medien | Werbekolumne: Florian Klenk | aus FALTER 23/16 vom 08.06.2016

Vor einiger Zeit twitterte ein grüner Politiker, das Schöne am Versteckspiel mit seinen Kindern sei der Umstand, dass man - während man gesucht wird - seinen Twitter-Feed lesen kann. Man muss also nicht mehr gelangweilt im Versteck warten oder gar das Herantrappeln der Kinder erlauschen, man kann mit seinen Followern chatten, die irgendwo anders in der Welt so etwas wie Gemeinschaft suchen.

Dazu passt dieser Cartoon, der kürzlich im New Yorker erschien. Ein paar junge Leute trainieren im Fitnesscenter. Der Trainer sagt in einer Verschnaufpause: "Nice work, let's take a quick social media break!"

Der Soziologe Dalton Conley nennt das, was wir alle derzeit erleben und erleiden, die "Elsewhere Society" ("Elsewhere, USA", Vintage Books). Wir haben uns längst daran gewöhnt, so lange in die Bildschirme zu glotzen, bis die Handyakkus vom Night-Shift-Modus des iPhone aufgefressen worden sind. Man ist süchtig danach, sich zu absentieren, und zwar ausgerechnet von jenen, die um einen herum sind. Und seien es auch die Liebsten.

Und hier kommt diese A1-Telekom-Werbung ins Spiel. Es ist die vielleicht traurigste Reklame, die man in Österreich je sah. Das Internet, will uns die Werbung sagen, verbindet nicht mehr, es trennt. Eine Familie sitzt da in ihrem Designerhaus. Sie widmet sich der EM, aber nicht mehr gemeinsam. Jeder ist "elsewhere" in seinem Screen. Mama hält nach feschen Spielern Ausschau, Papa spielt am Handy herum, die Tochter klickt sich durchs EM-Game. Nur Pippi Langstrumpf sitzt ohne Tablet am Dach. "Die fesche Kleine hat leider falsch kombiniert und verpasst das Beste von der EM." Die Glückliche.


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