Pop Tipp

Indiepop, verschlurft und doch hellwach

GS | Lexikon | aus FALTER 23/16 vom 08.06.2016

Wer seinen Liedern Titel wie "(Joe Gets Kicked out of School for Using) Drugs with Friends (but Says this Isn't a Problem)" verpasst, hat womöglich sanft einen an der Waffel. Im Pop im Allgemeinen und im Indie-Homerecording-Underground im Speziellen war dieses Wesensmerkmal freilich noch nie ein Fehler, im Gegenteil. Der Song geht auf das Konto von Car Seat Headrest aus Seattle und findet sich auf dem soeben erschienenen Album "Teens of Denial", das bei 70 Minuten Spielzeit neben reduzierter Indierock-Geradlinigkeit auch mal mit einem verstiegenen Elfeinhalbminüter aufwartet.

Will Toledo, der kreative Kopf hinter Car Seat Headrest, wird heuer im August zwar erst 24, er blickt aber bereits auf eine üppige Diskografie zurück; seine ersten vier Alben hat er 2010 etwa innerhalb von nur vier Monaten ins Internet gestellt. "Feel like Daniel Johnston" heißt einer der Songs darauf. Wie dieser König des US-Lo-Fi-Pops kam die Unmittelbarkeit auch bei Toledo anfangs vor der Aufnahmequalität, sein Debüt etwa hat er angeblich auf dem Rücksitz eines Autos eingesungen.

Nach einem knappen Dutzend Alben im Eigenverlag brachte Car Seat Headrest vergangenen Herbst beim renommierten Indielabel Matador seine erste regulär erhältliche Platte "Teens of Style" mit professioneller produzierten neuen Versionen älterer Songs heraus. Aus dem Soloprojekt war da eine Band gewachsen, sie steht für Indierock in der verschlurften Lo-Fi-Version, der melodisch, krachig, verschroben, druckvoll, überbordend, kratzbürstig oder zuckersüß daherkommen kann. Songtitel wie "No Passion" oder "Times to Die" deuteten nicht eben auf ein Übermaß an Lebensfreude hin, an Produktivität herrscht freilich weiterhin kein Mangel: Mit "Teens of Denial" liegt schon wieder ein neues und einmal mehr ziemlich lässiges Album vor.

Fluc, Do 20.00


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