Auch Wien braucht Heroes. Aber nur Salzburg kriegt sie

Stadtleben | aus FALTER 23/16 vom 08.06.2016

Der dringende Bedarf nach emanzipatorischer Burschenarbeit existiert in jeder Großstadt, wo es Migration aus dem türkischen und arabischen Raum gibt. Auch in Wien. Ein halbes Jahr lang bemühten sich deshalb die Wissenschaftler Nina Scholz und Heiko Heinisch, die "Heroes" an Wiener Schulen zu bringen. Fast wäre das gelungen: Im März war das inhaltliche Konzept fertig, das Bildungs- und Frauenministerium hatte den beiden die Finanzierung (93.000 Euro) zugesagt und intern bereits budgetiert, die Stadt Wien trug das Projekt mit und hätte Räume und Personal bereitgestellt. Wenige Stunden vor dem Termin, bei dem alles unter Dach und Fach gebracht werden sollte, kam jedoch, per SMS, die überraschende Absage aus dem Ministerbüro.

Die grüne Abgeordnete Alev Korun vermutet "Lobbyarbeit von bestimmten religiösen Vereinen" hinter diesem plötzlichen Gesinnungswandel und stellte eine parlamentarische Anfrage. Dazu sei "nichts bekannt", erfolgte vergangene Woche nun die ausweichende Antwort der neuen Bildungsministerin, Sonja Hammerschmid. "Die finanziellen Mittel für Heroes sind nicht da", sagt ihre Pressesprecherin.

In der Anfragebeantwortung steht das etwas anders: Man nehme die vorliegende Expertise ernst, verfolge jedoch die Strategie, lieber Workshops zu beauftragen, die "bereits kurzfristig Wirkung erzielen". Für eine Workshopreihe "Respekt und Zusammenleben" wurden 300.000 Euro veranschlagt.

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