Menschen

Let there be Rock in Vienna


Lukas Matzinger
Falters Zoo | aus FALTER 23/16 vom 08.06.2016

Das Rock in Vienna ist zum zweiten Mal vorbei. Nach zu laut und zu stinkend und Beschwerden und Naturschutz vor einem Jahr hat Wien heuer ein tatsächliches Rockfestival auf der Donauinsel ohne große Gegenwehr überstanden. Die Bedürfnisse der Anrainer von Fischamend bis Klosterneuburg wurden heuer scheinbar besser gewahrt. Von einem schrecklichen Badeunfall abgesehen, bei dem ein schwedischer Festivalbesucher starb, blieb die große Aufregung über das Fest aus. Es sieht so aus, als hätte es tatsächlich schon im läppischen zweiten Jahr in Wien Akzeptanz gefunden. Auch das Wetter konnte dagegen nichts ausrichten. Während es in Frankreich und Deutschland und eigentlich überall rundherum ordentlich knallte, beließ es der Himmelvater in Wien bei angenehmem Sommerregen. Und einem aggressiven Bienenschwarm, der den Einlass verzögerte. Und dem Verwittern des Körpers von Iggy Pop.

Der war der Headliner am Samstag, zwischen Rammstein am Freitag und Iron Maiden am Sonntag, und brachte, wie das zu erwarten war, am wenigsten Fans dazu, sich eine Eintrittskarte zu kaufen. Es waren ungefähr halb so viele da wie bei den Axtmördern von Rammstein, und da waren's ungefähr 35.000. Um halb zehn schleppte Iggy Pop seinen welken Körper neben den auf den Bühnenvorhang gedruckten Konterfei seines Busenfreunds David Bowie auf die Bühne. Und begann seinen Auftritt, als wäre er auf Streit aus, mit den Hits "No Fun","I Wanna Be Your Dog","The Passenger" und "Lust for Life". In der Reihenfolge, ohne was dazwischen. Das ist schon eine Aussage.

Iggy Pop war gut in Form, er ist jetzt 69, wie man auch an den Ringen seiner Falten abzählen kann, aber seine kaputten Hymnen ringen auch den Metallern, die natürlich wegen anderer Bands kamen, aber ihn halt in Kauf nahmen, eine verkappte Hüpferei ab. Mr. Pop selbst hat's schon ganz schön bei der Hüfte, aber wenn er bei Lied zwei die große Metamorphose, Lederjacke weg, Lederkörper da, vollzieht, ist alles wieder wie immer.

20 Lieder wird der Pate des Punk dann spielen, inklusive einiger Nummern vom neuen Album mit Josh Homme. Und damit Gott sei Dank Mando Diao vergessen machen, die ein paar Stunden vor ihm angetreten sind. Was ist nur aus denen geworden ? Aber wurscht. Jedenfalls wird es auch nächstes Jahr ein Rock in Vienna geben. Man konnte an den Abendkassen schon Karten für nächstes Jahr kaufen. Wien wird sich damit abfinden.

Das war das eine Festival, das vergangene Woche in Wien ziemlich groß war. Und jetzt folgt das zweite. Denn eine Szene, die im Vergleich zu Iggy-Pop-Fans eher wächst als schrumpft und schrumpelt, ist die der Wiener Foodies. Weshalb beim heurigen Vienna Food Festival im Arkadenhof und in der Volkshalle des Wiener Rathauses auch prächtig was los war. Dort versuchten die Stadt und die Veranstalter Esskultur zu zeigen und zu diskutieren. Der Sozial-und Umweltverein Wiener Tafel lud zu einer ebensolchen. Bei Livemusik und Showkochen sollten die Mitesser Lebensmittel, die sonst weggeschmissen würden, erleben können. Später wurde beim "Food Waste Symposium" die Wertschöpfungskette der Lebensmittelbranche durchleuchtet und hinterfragt. Beim Streetfoodmarket konnte man schließlich zwei ganz große Klassiker der Wiener Küche verkosten: Eis vom Eis-Greißler, und Brote vom Trześniewski.


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