Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Das beste Filmporträt der Welt der Woche

Michael Omasta | Feuilleton | aus FALTER 23/16 vom 08.06.2016

Ach, ist das schön langweilig hier! Während der Sommermonate zog sich Maria Lassnig gern nach Kärnten in ihr am Rand eines Wäldchens gelegenes Haus bei Feistritz zurück; die Anreise aus Wien mit Bahn, Bus und Taxi muss jedes Mal etliche Stunden in Anspruch genommen haben.

Der Fotograf Sepp Dreissinger hat den Weg nicht gescheut, die Künstlerin wiederholt besucht und zusammen mit Heike Schäfer einen Film über sie gestaltet: "Maria Lassnig: Es ist die Kunst, jaja ", Untertitel: "Eine Annäherung von Sepp Dreissinger". Doch zunächst einmal ist's Lassnig, die sich annähert, indem sie, nur mit einer Schere bewaffnet, Zentimeter um Zentimeter durchs hohe Gras in ihrem Garten auf die Kamera zurobbt.

Wäre der Begriff nicht zu abstrakt, könnte man dieses herzerwärmende Filmporträt, das vorige Woche im Metro-Kinokulturhaus gezeigt wurde, auch eine Langzeitstudie nennen. Es setzt sich aus Material verschiedener Begegnungen mit Maria Lassnig aus den Jahren 2001 bis 2012 zusammen; dazu kommen Gespräche mit einigen ihrer Modelle und Weggefährten wie Arnulf Rainer und Oswald Wiener.

Lassnig, die bereits zu Beginn der Aufnahmen über 80 war, zieht alle Register: Sie gibt die Diva, den Schalk, das naive Mädchen. Die große Künstlerin lässt sie nicht raushängen, im Gegenteil: "Ich bin draufgekommen, dass ich eigentlich nur für die Kinder meiner Galeristen arbeite." Sagt's und lacht.

Doch auch die Filmemacher sind der Selbstironie fähig. Großartig die Fotosession, nach der Lassnig Dreissinger aufträgt, ihr alle Bilder zu zeigen: Er wisse ja nicht, welches das Beste sei, weil er nicht wie eine Frau denke. "Geh, du bist wie ein Bauer!", sagt sie ein andermal zu ihm, der sich bereitwillig auf ihren Schmäh einlässt: "Wär eh gern einer."


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