Zeit am Schirm

TV-Kolumne


LUKAS MATZINGER
Medien | aus FALTER 24/16 vom 15.06.2016

Was war das für ein Moment, als sich der Teamchef der deutschen Nationalmannschaft, Joachim "Jogi" Löw, vergangenen Sonntag, während des 2:0-Siegs seiner Mannschaft gegen die Ukraine, im mit 50.100 Menschen vollbesetzten Stadion in Lille, vor insgesamt 34 Fernsehkameras, von der eine, die sogenannte Coach-Cam, 90 Minuten lang nur auf ihn gerichtet war, mit seiner kompletten rechten Hand tief in seine Hose fuhr, sich genüsslich sein Geläut kraulte und dann neugierig an seiner Hand schnupperte?

Er, der mit seinen Maßhemden und dem immer gleich perfekten Haupthaar schon vor Jahren zur kleinen Badener Stilikone unter den Turniertrainern wurde, wagte es, vor 26,5 Millionen Zuschauern (wohlgemerkt allein in der heimatlichen ARD) sein höchstpersönliches Mittelfeld neu zu ordnen. Die Kommentatoren in den Social Media überschlugen sich innerhalb von Minuten vor Hohn, Parodie, Unglauben, aber auch Solidarität. Löw beging wenig später noch einmal am hinteren Ende seiner Hose ein klares Handspiel und schnupperte auf ein Neues. Nie war er uns näher.


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