Viva il Kontrollverlusto!

Alberto Stefanelli hat ein neues Lokal, in dem er kocht, was er will. Danke dafür


LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER
Stadtleben | aus FALTER 24/16 vom 15.06.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Das Al Bacco in der Margaretenstraße 36 ist einer dieser Orte. Eigentlich eine Vinothek, in der Alberto Stefanelli seine edlen Roten verkaufte, bis vor sieben oder acht Jahren da einmal ein Fest veranstaltet wurde und die Idee reifte, aus der Vinothek doch ein kleines Lokal zu machen. Mit ein paar Tischerln mit karierten Tischtüchern und einer Folge von ein paar unendlich einfachen, aber mit Herz gekochten und damit authentischen italienischen Gerichten, im Winter außerdem mit Trüffel überhobelt.

Das Al Bacco in der Margaretenstraße 36 war und ist jedenfalls ein Ort ungezügelter Herzlichkeit, und dass das mit den Nachbarn lange gutgehen würde, war eher unwahrscheinlich. Konkret ein Hausbewohner machte Alberto Stefanelli das Leben schwer, weshalb er auf der gegenüberliegenden Seite der Straße ein Ausweichlokal übernahm, es mit Ziegelwänden, altem Holzmobiliar, einer Schank, schmiedeeisernen Geländern und Laternen-Lampen versah – freilich nicht ganz so charmant wie das Al Bacco auf der anderen Straßenseite, „aber mit weniger Problemen“.

Und „weniger Probleme“ ist gut, weil Probleme sind definitiv nicht das, was man braucht, wenn man zu Alberto Stefanelli essen geht. Hier muss man loslassen können, hier gibt es keine Speisekarte und am Tisch stehen Weinkühler, dass man eine Flasche zu zweit schafft, wird vorausgesetzt.

Und was es zu essen gibt, erzählt Alberto Stefanelli persönlich, nämlich etwa „habe heute wunderschöne Steinpilze bekommen, machen wir mit Parmesan, und dann Spargel und dann Pasta und dann Fleisch …“ Also nicht entweder oder, sondern das ist, was serviert wird, basta. Großartig.

Und dann kommen die hauchdünn geschnittenen Steinpilze mit hauchdünn gehobeltem Parmesan und fein geschnittenem Basilikum, alles miteinander übergießt Alberto Stefanelli großzügig mit Olivenöl und vermischt es bei Tisch zu einem wunderbaren Salat.

Und schon kommt der Spargel, zwei dicke, grüne Stangen mit einem kernweich gebratenen Dotter und einem Parmesan-Olivenöl-Konglomerat, einfach und gut, wenngleich Stefanelli meint, dass es eigentlich „nicht meine Cultura“ sei, nur zwei Stangen Spargel zu servieren, aber danke, dass er es trotzdem macht.

Dazwischen noch ein Stückchen Parmigiana, diese geniale Verbindung aus Melanzani, Parmesan und Paradeisern, dann Ravioli mit Ricottafülle, Orangen- und Zitronenzesten und einer leichten Orangen-Zitronen-Sauce, man spürt Sorrento. Und dann noch ein bisschen Spezzatino, Kalbsragout mit Stangensellerie und Tomaten, man weint.

Und weil Dessert auch noch sein muss, man aber nicht mehr kann, halt nur Walderdbeeren in Panna. Für so ein Essen zahlt man im Café Bacco übrigens so viel wie beim City-Edelitaliener für ein Stück gebratenen Fisch, 35 Euro, „aber das ist nicht meine Cultura!“, sagt Alberto Stefanelli.

Resümee:

Italien ist ein herrliches Land und es hat mit Alberto Stefanelli einen würdigen Botschafter in dieser Stadt.

Café Bacco
4., Margaretenstr. 25/4
Tel. 01/585 66 92
Mo–Fr 13–24 Uhr


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