Vogelfrei

Medien | SELBSTERFAHRUNG: BARBARA KAUFMANN | aus FALTER 24/16 vom 15.06.2016

Es war an einem klaren, sonnigen Donnerstag Ende Februar letzten Jahres und ich war zu spät. Viel zu spät. Ich arbeitete an drei Projekten gleichzeitig und war müde. Vor genau einem Monat war mein Vater nach zwei Jahren schwerer Krankheit gestorben und es war jene Art von Müdigkeit, die einen überfällt, wenn man realisiert dass man den Kampf um etwas endgültig verloren hat. All die Sorge, die Angst, die Hoffnung, sie waren verschwunden und an ihre Stelle war eine seltsame Leere getreten, die ich mit Arbeit auffüllte. Nie hab ich so viel geschrieben wie damals und nie war es so wichtig zu schreiben, nicht aufzuhören, keine Pause zu machen.

Seit kurzem arbeitete ich als Kolumnistin für eine Online-Tageszeitung. Die letzten vier Jahre hatte ich beim öffentlichrechtlichen Radio als Gestalterin von Reportagen und Features verbracht und als Autorin für Printmagazine geschrieben. Die Onlinewelt war Neuland für mich.

An jenem Donnerstag war ich mit meinem Text in Verzug. Ich hatte mich


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