Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Demos in Wien endeten mit Stolz und Verletzten auf allen Seiten

Politik | LUKAS MATZINGER | aus FALTER 24/16 vom 15.06.2016

Der rechtsextreme Verein, der sich "Identitäre Bewegung" nennt, hatte am vergangenen Samstag Freunde nach Wien eingeladen. Aus Frankreich kamen Ähnlichgesinnte, aus Deutschland auch, dazu gesellten sich stadtbekannte Wiener Neonnazis, um in einer angemeldeten Demonstration durch die Stadt zu ziehen und ihre teils rassistischen, teils neofaschistischen Ideen vom Aufhalten des "großen Austauschs" der Völker und dem "Betrug" durch Multikulti zu verbreiten. Es dürften wohl an die 400 gewesen sein, die um 14.30 Uhr vom Märzpark bei der Stadthalle aus starteten. Sie trafen bald auf Gegenwehr.

Ungefähr doppelt so viele Linke bildeten Gegendemos, unter anderem von der "Offensive gegen Rechts" organisiert, die das Ziel hatten, den Zug der Rechten zu blockieren. 1000 Polizisten wollten die einen von den anderen trennen. Das gelang mäßig. Viele Gegendemonstranten schafften es, die Absperrungen zu umgehen und sich der Demo in den Weg zu stellen. Vereinzelt schmissen Gegendemonstranten Wasserbomben, Kartoffeln, Böller, Steine, Plastik-und Glasflaschen in Richtung der Rechtsextremen und der Polizei. Dabei kam es zu Verletzungen. Ein aus Hamburg angereister Rechter musste wegen erheblicher Kopfverletzungen im AKH operiert werden.

Die Polizei entschloss sich, die meist passiven Blockaden der Gegendemonstranten durch den Einsatz von Pfefferspray zu beseitigen und den Identitären den Weg freizuräumen, den sie laut Versammlungsgesetz nehmen dürfen. Auf einen Einsatz der neuen, in einer Testphase befindlichen Bodycams, die Amtshandlungen der Polizei festhalten sollen, wurde verzichtet.

Der Demozug der Rechten konnte nicht, wie ursprünglich geplant, bis Schönbrunn geführt werden. Sie mussten für ihre Abschlusskundgebung ausgerechnet zum Westbahnhof flüchten, was sie eigentlich nicht wollen, dass Menschen es tun. Es gab Verletzte auf allen Seiten. Identitäre, Polizisten und Linke sprechen jeweils von einem vollen Erfolg.


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