Neue Bücher Romane aus der Halbwelt

Feuilleton | aus FALTER 24/16 vom 15.06.2016

Nach einigen Krimis legt Amaryllis Sommerer nun einen fein beobachteten und geschriebenen Roman über einen Mann vor, der -mit den Worten von Hans Orsolics -auf ein "potschertes Leb'n" zurückblickt. Franz hatte keine schöne Kindheit, wuchs bei seinem Vater auf, der sich nach traumatisierenden Kriegserlebnissen dem Suff ergab. Den tristen Verhältnissen entfloh Franz als junger Mann ins Nachtleben. Ein Amüsierlokal namens "Vegas" hatte es ihm angetan, besonders die Geschehnisse im Hinterzimmer, wo er bald sein Geschick als Pokerspieler beweisen durfte. Ganz wird Franz die Halbwelt später nie hinter sich lassen.

Ohne Sentimentalität und falsches Pathos lässt Sommerer ihren traurigen Helden selbst, seine Frau Helli und ihre Tochter Katja die Lebensgeschichte eines Menschen aufrollen, der sich auf sein Glück verlassen und damit auch andere ins Unglück geritten hat. SEBASTIAN FASTHUBER

Amaryllis Sommerer: Wie das Leben geht. Picus, 268 S., € 24,-

In seiner Biografie listet der Wiener Autor Philipp Hager (Jg. 1982) Tätigkeiten als Kampfrichter, Türsteher und Reporter eines Kampfsportmagazins auf. Daneben stehen schon einige Romane und Lyrikbände, "Mit einem lachenden und einem blauen Auge" heißt einer davon.

Mit "Liebe unter Einzellern" versucht er sich am alten Format Liebesgeschichte. Es geht um einen jungen Mann, der auf der Straße gelebt hat, und ein noch jüngeres Mädchen mit familiären Verbindungen zum Drogenhandel. Das Geschehen bewegt sich zwischen Dreck und Glanz, es wird viel getrunken, geraucht, geschnupft und gespritzt, aber auch sehr heftig geliebt. Man merkt dem Roman an, dass Hager von der Lyrik kommt. Leider wird er bisweilen schwülstig: "Sie bekam nie etwas zu fassen, () aber der rauschende Wind in den Flügeln genügte, um ihren Bauch mit seliger Erregung zu füllen."

SEBASTIAN FASTHUBER

Philipp Hager: Liebe unter Einzellern. Braumüller, 120 S., € 17,90


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige