Am Apparat Telefonkolumne

Wieso schicken Sie so viele Leute in Frühpension, Herr Weinelt?

Politik | INTERVIEW: NINA HORACZEK | aus FALTER 24/16 vom 15.06.2016

Die Wiener Stadtwerke müssen sparen und schicken deshalb etwa 800 Beamte von ihren insgesamt etwa 5500 Angestellten schon mit 55 Jahren in Frühpension. Warum das nötig sei und wieso die Kunden von diesem massiven Personalabbau nichts merken sollten, erklärte Stadtwerke-Personalvorstand Peter Weinelt dem Falter.

Wieso diese Frühpensionierungswelle?

Sie müssen das Gesamtpaket betrachten: Seit 2013 arbeiten wir massiv an der Wettbewerbsfähigkeit unseres Energiebereichs. Wir haben sehr viel fusioniert, Standorte zusammengelegt, sehr viele früher extern vergebene Aufträge im Haus erledigt und dadurch Kosten in einer zweistelligen Millionenhöhe eingespart. Aber der Wettbewerbsdruck im Energiebereich ist sehr hoch. Die Großhandelspreise sind auf ein Drittel des Wertes von vor drei Jahren gesunken. Deshalb geht es nicht ohne Personalmaßnahmen.

Als Reaktion auf sinkende Energiepreise gibt es Frühpensionierungen?

Nein. Wir versuchen alles, um den Jobwechsel im Konzern zu ermöglichen, wir haben Berufsausstiegsmodelle mit Weiterbildungsmaßnahmen angeboten. Wir haben die gesetzliche Altersteilzeit angewandt. Und die, die jetzt in Frühpension gehen, arbeiten fast alle seit 40 Jahren bei uns, und über 80 Prozent von ihnen waren Schwerarbeiter oder im Nacht-und Schichtdienst tätig. Das sind Menschen, die sehr lange gearbeitet haben und das auch schon körperlich spüren.

Was bedeutet der Personalabbau für die Kundinnen und Kunden?

Für die Kunden hat es keine Auswirkung. Wien ist bei der Energieversorgung eine der sichersten Städte der Welt, daran ändert sich nichts.

Und für die Steuerzahler?

Auch nichts. Wir zahlen die Pensionen für diese Mitarbeiter, die nach 40 Arbeitsjahren in den Ruhestand treten, zu 100 Prozent aus unseren Gewinnen. Der Steuerzahler wird dafür nicht zur Kasse gebeten. Die Energiepreise erhöhen wir auch nicht, in so einem strengen Wettbewerb wäre das kontraproduktiv.


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