Best of Stanitzl aus Tanz und Performance

Die Sommerszene Salzburg rundet die Saison mit freundlichen, markerschütternden Publikumserfolgen ab

Lexikon | MARTIN PESL | aus FALTER 24/16 vom 15.06.2016

Ein Programmbuch in freundlichheiterem Magenta mit einem gezeichneten Eisstanitzl auf dem Cover: Sommerlicher kann sich die Sommerszene Salzburg kaum präsentieren, und stärker könnte somit auch der Kontrast zu den in feierlichem Ernst (wohlweislich erst später) startenden Salzburger Festspielen nicht sein. Auch die Kartenpreise -allerhöchstens 24 Euro -schmecken vergleichsweise erfrischend.

Das Tanz-und Performancefestival gibt es seit 30 Jahren. Seit 2012 holt Intendantin Angela Glechner österreichische und internationale Größen des Fachs nach Salzburg. Ein bisschen wie die Diagonale beim Film bietet ihr Festival Kennern eine Abrundung der Saison. Einiges wird zwar auch hier erstmals in Österreich gezeigt, manche Produktionen waren aber auch schon in Wien oder Graz zu sehen, haben sich bewährt und beweisen durch ihre Einladung nach Salzburg einmal mehr, dass sie zur performativen Crème de la Crème gehören: Doris Uhlich etwa mit "Boom Bodies" (1. und 2. Juli) oder die Rabtaldirndln. Die Steirerinnen sind regelmäßig die großen Publikumslieblinge bei der Sommerszene. Heuer zeigen sie ihr vergnügliches, aber auch melancholisches Stück "Du gingst fort" zum Thema Landflucht (25. und 26. Juni).

Auch die Eröffnungsproduktion "Gala" (21. und 22. Juni), Jerôme Bels rührende Performance von und mit jedermann, gab es schon im Wiener Tanzquartier zu sehen. Neu ist jedoch: Für die Sommerszene bietet der französische Choreograf einer Gruppe von performativ gelaunten Salzburgerinnen und Salzburgern eine Bühne.

Die Stadt Salzburg selbst ist Protagonistin einer eher außergewöhnlichen Entdeckung: Die Londoner Gruppe Subject to_change errichtet in den Kavernen 1595 eine Installation, die von den Stadtbewohnern ständig erweitert und verändert werden kann. Salzburger bauen sich ihr eigenes fiktives Salzburg. "Home Sweet Home" nennt sich das Projekt passend (28. Juni bis 2. Juli).

Fans allen Isländischen freuen sich auf eine österreichische Erstaufführung: Die Iceland Dance Company präsentiert eine ursprünglich in Australien entwickelte Choreografie ihrer Leiterin Erna Ómarsdóttir mit dem Titel "Black Marrow" (24. und 25. Juni). Die Stadt, die immerhin, wie oft vergessen wird, des Landes einzige universitär anerkannte private Ausbildung für zeitgenössischen Tanz bietet, wird also von den markerschütternden Klängen und Bewegungen der "Björk des Tanzes" beehrt. Auch diese Art Eis ist in Salzburg herzlich willkommen.

Im Republic und anderen Spielorten von 21.6. bis 2.7., www.sommerszene.a


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