Die Überlebende

Adisa Nanić hat die Erinnerung an die Amokfahrt von Graz verloren. Als sie im Krankenhaus aufwachte, war sie schwer verletzt und ihr Mann ermordet. Ein Gespräch über das Überleben nach einem grausamen Verbrechen

Politik | PROTOKOLL: NINA BRNADA | aus FALTER 24/16 vom 15.06.2016

Ich weiß noch, dass mein Mann Adis und ich am Tag des Unglücks zum Lidl ins Einkaufszentrum City Park gegangen waren. Ich weiß auch, dass wir scherzten, wer von uns beiden die Sackerln tragen müsste. Was danach geschah, ist aus meiner Erinnerung wie ausradiert.

Als ich Tage später aufwachte, sagte man mir, dass wir in einen Autounfall verwickelt worden waren. Aber ich fragte mich: Was war geschehen? Und wo überhaupt? War es vielleicht bei der Polizeiinspektion in der Nähe des Einkaufszentrums? Der Fußgängerübergang dort hatte mir schon immer ein wenig Angst gemacht. Ich wusste, dass wir an diesem Tag ohne Auto unterwegs waren -oder saßen wir vielleicht doch im Wagen, als es passierte? Ich erinnerte mich an nichts mehr. Das blieb bis heute so. Alles, was ich über dieses Unglück weiß, habe ich gelesen oder es wurde mir erzählt.

Ich erfuhr, dass Adis und ich an diesem Samstag Mittag in der Zweiglgasse gingen. Sie liegt in der Nähe vom Griesplatz, nahe der Wohnung seiner Eltern.


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