Menschen

In Wien ist immer irgendwie Life Ball


LUKAS MATZINGER

Zoo, FALTER 24/16 vom 15.06.2016

Der nächste Life Ball wird erst am 10. Juni 2017 im und vor dem Wiener Rathaus Tanz finden. Im Finanzausschuss des Wiener Gemeinderats wurden heuer trotzdem 450.000 Euro Förderung für Gery Keszlers Verein Aids Life beschlossen (statt 800.000 Euro in vergangenen Life-Ball-Jahren), weil der Verein trotzdem verdammt viel für den Kampf gegen das HI-Virus tut.

Zum Beispiel das Red Ribbon Celebration Concert organisieren, das vergangenen Samstag im schönen Wiener Burgtheater abgehalten wurde. Dort wurden die alles in allem angeblich 1100 Gäste neben Gery Keszler von der Hausherrin Karin Bergmann und Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres Sebastian Kurz, der mit seinem Ministerium der Co-Veranstalter des Abends war, begrüßt. Unter den Hörern waren der Stadtrat für eh alles, Andreas Mailath-Pokorny, Prinzessin Marie von Liechtenstein, der Moderator Alfons Haider, der kameraphile Ex-Thai-Boxer Fadi Merza, der Regie-Oscarpreisträger Stefan Ruzowitzky, die große Dagmar Koller, der Künstler Erwin Wurm und die Vorstadtweiber Hilde Dalik und Nina Proll. Und die wurden für ihr Geld recht gut bespaßt.

Denn an diesem Abend gönnte Keszler seinem gutem Zweck ein paar echte Bühnengrößen. Die Sopran-Künstlerin Anna Netrebko zum Beispiel, den Countertenor Max Emanuel Cencic, die Theater-Champions-League-Teilnehmer Nicholas Ofczarek und Maria Happel, den einen Solisten von den Wiener Sängerknaben, der so lange aufbleiben durfte, den Chansonier Michael Heltau oder den Organisten Martin Haselböck. Sie spielten und sangen von Claudio Monteverdi und Christoph Willibald Gluck, von Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Liszt. Es wurde Ballett getanzt, und tatsächlich stieg auch Kardinal Christoph Schönborn, also ein leibhaftiger Vertreter der katholischen Kirche, auf die Bühne und erzählte von seinen Vorurteilen und seinen Begegnungen mit Gery Keszler.

Bill Clinton sprach von einer Video-Leinwand, von Charlize Theron wurde ein Brief verlesen. Am Ende sang die große amerikanische Gospel-, Popund Soulsängerin Dionne Warwick gemeinsam mit ihrer Enkelin Cheyenne Elliott den großten Hit "That's What Friends Are For", was ungefähr bedrückend schön war. Der Reinerlös des Konzertabends geht an unterschiedliche HIV-/Aids-Hilfsprojekte. Gery Keszler hofft, dass eine halbe Million Euro zusammengekommen ist.

Die vergangene war auch die Woche der 5/8erl in Ehrn. Ein halbes Jahr lang spielten die mit den Hosenträgern zuletzt überhaupt keine Konzerte, dann traten sie für Alexander Van der Bellen im Konzerthaus auf, und jetzt zum runden Geburtstag sind sie wahrscheinlich mehr da, als 5/8erl in Ehrn je da waren.

Seit zehn Jahren sind die Achterl jetzt fix zusammen. Das feierten sie mit zwei ausverkauften Abenden im Wiener Stadtsaal, wo sie ihre Musik spielten -irgendwo zwischen leichtem Pop, Jazz und Wienerlied -und redeten -witzig, gescheit, gern auch politisch. Wenn Zeit blieb, wurd's ein bisserl weltumarmend, die fünf herzen ihre Fans nachdrücklich. Am Ende waren alle froh, und das Konzert löste sich in Glücklichkeit auf. Das fünfte Album ist in Arbeit.

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FALTER 29/19
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