Filmen und töten wie auf Zehenspitzen

Regisseur Hou Hsiao-hsien drehte mit "The Assassin" einen Martial-Arts-Film. Der Falter hat Experten dazu befragt

RECHERCHE: MICHAEL OMASTA | aus FALTER 24/16 vom 15.06.2016

Nie Yin-Niang hat gezögert. Sie hat den Gouverneur der abtrünnigen Provinz Weibo verschont. Eigentlich hätte die Attentäterin mit dem sprechenden Namen (Yin: die Unbemerkte, Niang: das Mädchen) ihren Cousin Liu Lang aus dem Weg räumen sollen. Doch just in dem Moment hatte er eines seiner Kinder bei sich - außerdem war Yin-Niang selbst ihm einst als Ehefrau versprochen gewesen!

Eine Windböe fährt durchs Geäst, als sie ihrer Meisterin ihr Versagen eingesteht. Der gute Rat der Nonne für die Zukunft ist an Kaltblütigkeit kaum zu überbieten: "Nimm ihm zuerst das Liebste, dann kannst du ihn leichter töten." Dabei ist sie selbst noch nicht im Bild, ihre Stimme kommt aus dem Off; danach erst tritt sie aus der Tür ihrer Hütte und damit in Szene.

Hou Hsiao-hsien, 69, eine Ikone unter den Regisseuren des asiatischen Arthouse-Kinos, legt Wert auf Distanz und Diskretion. "Ich filme immer wie auf Zehenspitzen, von der Seite", sagt er, und das gilt auch für seine jüngste, 2015 beim Festival


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