Landrand Ruralismus

Also auch ein Trankl pro Nase, Minimum

Landleben | aus FALTER 25/16 vom 22.06.2016

Einmal im Jahr zogen die Eltern sich und den Kindern die guten Sachen an. Der Saal ganz in Weiß, Reden. Der Vorstand verlas die eingezahlte Summe. Applaus, Geschenkskörbe. Schnitzel und Pommes, ein Eis für die Fratzen, hernach verzogen wir uns in den Garten. Die Stammgäste hatten eine kurze Nacht, Sonntagfrüh war ja schon wieder Frühschoppen. Für die Wirte war der Sparverein eine tragende Säule. Auch unterm Jahr war's ja jede Woche zum Einzahlen, sonst Strafgebühr. Also auch jedes Mal ein Trankl pro Nase, Minimum.

Jetzt hat die Bawag allen Sparvereinen gekündigt. Wegen neuer gesetzlicher Meldepflichten, sagt sie. Noch fangen einige Banken die Heimatlosen auf, andere haben sich schon längst aus dem Sparvereinswesen zurückgezogen: zu wenig rentabel.

So wird's in manchem Dorf recht dünn. Die Post, das Geschäft: weg. Das Eisstockschießen: nimmermehr. Raus kamen viele Ältere überhaupt nur noch über den Sparverein: einmal im Jahr mit dem Bus zum Ausflug. Manch betagte Frau geht immer noch zum privat organisierten Turnverein wie seit 50 Jahren. Andere aber sinken schweigend tiefer ins Fauteuil.


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