Kunst Kritik

Lustig: Gefangen im goldenen Rahmen

Lexikon: Kunst | aus FALTER 25/16 vom 22.06.2016

Ende der 1970er-Jahre studierte Nedko Solakov an der Kunstakademie in Sofia Wandmalerei. Diese Spezialisierung kommt in seinen Installationen auch heute noch bestens zur Geltung. Derzeit bespielt der bald 60-jährige Künstler die Galerie Georg Kargl mit lauter neuen Arbeiten, die seinen herrlichen Humor beweisen. Mit der Schau "Stories" macht Solakov ein Geschichtenbuch auf, das kurzweilig zu konsumieren ist, jedoch voller Doppelbödigkeit steckt. Dabei nimmt er immer wieder den Kunstbetrieb und seine Konventionen auf die Schaufel, ohne an Selbstironie zu sparen. So gleich am Beginn der Schau, wo er sich in dem Wandbild "This Show's Title" über den Hang zu "prätentiösen" Ausstellungstiteln lustig macht. Nicht nur der Text, auch die bunten Stoffbuchstaben reizen zum Schmunzeln.

In seiner kontroversiellsten Arbeit "Top Secret" hat Solakov 1990 gestanden, dass er für den Geheimdienst spitzelte. Big Brother lässt ihn offenbar bis heute nicht ganz los, wenn er zwei große Aluminiumohren aufhängt. Darauf sind kleine Männchen gemalt - "gerechte" und "frevlerische" Informanten - und im Wandtext wird nach "Heimatschutz" gefragt. Österreich malt Solakov rot an die Wand; das weiße Manderl darauf will ein rotes Männchen draußen aber partout nicht reinlassen. Könnte der Künstler muslimischen Terror abwenden, indem er die eigene Religion beleidigt?

In "An Attempt of Possible Prevention" wurde die Figur einer Ikone mit Sprechblasen versehen, sodass nun Maria von Sex mit Joseph fantasiert. Eine andere Ikone nimmt das Bild "The Abstract Painting (with no frame)" aufs Korn, das in der Mitte ein winziges schwarzes Quadrat mit Beinen zeigt. Ob seines Mangels an Einzigartigkeit will das traurige Ding weglaufen, aber sein fetter goldener Rahmen hält es gefangen. NS Galerie Georg Kargl, bis 30.7.


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