Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Wie ein blauer Putin-Versteher Favoriten das Parkpickerl beschert

Politik | JOSEF REDL | aus FALTER 25/16 vom 22.06.2016

Die FPÖ ist nicht nur die Partei für die Österreicher, sie ist auch die Partei für die Autofahrer. Selbstredend, dass die Freiheitlichen der Einführung des Parkpickerls in Favoriten höchst skeptisch begegnen.

Am Mittwoch vergangener Woche wurde in der Bezirksvertretersitzung des zehnten Bezirks über die Einführung der Parkraumbewirtschaftung abgestimmt. Noch wenige Stunden zuvor manifestierte sich der Zorn der Freiheitlichen in einer Presseaussendung. Von einem "geplanten Überraschungsangriff" und einer "Autofahrer-Abzocke" war die Rede. FPÖ-Gemeinderat Stefan Berger ortete gar schon eine Art politischen Ausnahmezustand: "Favoriten ist führungslos. In der Favoritner SPÖ weiß die linke Hand nicht mehr, was die rechte tut."

Aber wusste eigentlich die Favoritner FPÖ, was ihr Bezirksrat Konstantin Dobrilovic so tut?

Während die Bezirksparteikollegen daheim noch Protestveranstaltungen gegen das Parkpickerl organisierten, befand sich Dobrilovic rund 1000 Kilometer nordöstlich von Favoriten in Minsk. Gemeinsam mit dem blauen Vizebürgermeister Johann Gudenus war er Teil einer freiheitlichen Reisegruppe, die zu Besuch in Weißrussland war. Beim Besuch einer Schokoladefabrik wurden hochkarätige Wirtschaftskontakte geknüpft. Auch ein Besuch beim Minsker Bürgermeister stand auf dem Programm. Auf seiner Facebook-Seite postete Dobrilovic ein Foto von der Reise. Offensichtlich haben sich die Delegierten mit iPhone-Hüllen mit dem Konterfei von Wladimir Putin eingedeckt. Ein schönes Souvenir.

Die Reise von Dobrilovic hatte Folgen. Mit 30:29 Stimmen wurde das Parkpickerl in der Bezirksvertretersitzung angenommen. Wäre Dobrilovic daheim geblieben, hätte er einen Stimmengleichstand herbeigeführt und der Antrag wäre nicht durchgegangen. Bei der FPÖ heißt es, die Reisepläne von Konstantin Dobrilovic wären intern bekannt gewesen. Man habe schlicht nicht damit rechnen können, dass auch die Neos gegen den Antrag stimmen würden.


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