Tiere

Wehrt euch!

Falters Zoo | Peter Iwaniewicz | aus FALTER 25/16 vom 22.06.2016


Im Jahr 1999 lenkte eine Silbermöwe die Flugrichtung eines Balles so ab, dass dieser im Tor landete. Aber keine Angst, Sie lesen in dieser Kolumne, die mehr Hand als Fuß hat, dennoch nichts über „du weißt schon was“. Hier widmen wir uns den lebenswichtigen Dingen, also: Wie reagiert man am besten auf Attacken wilder Tiere?

Bei diesem ernsten Thema wollen wir auch nichts schönreden wie die Deutsche Wildtierstiftung. Diese rät uns bei plötzlicher Begegnung mit einer zornigen Wildschweinmutter im Wald: „Man sollte sich über den Anblick erst einmal freuen.“ Ja eh. Nach dieser gebotenen Sekunde reiner Freude wäre dann aber doch „ein Hochsitz zu suchen“ und auf diesen hinaufzuklettern. Ich rate: Nie ohne Hochsitz wandern!

Nein, darüber darf nicht fahrlässig gewitzelt werden, it’s a jungle out there! In der Schweiz gab es in den letzten zehn Jahren immerhin jährlich 5400 Unfälle mit Insekten. Leider konnte ich der Statistik keine weiteren, vermutlich grausigen Details entnehmen.

Manche der Ratschläge von Experten sind zudem weit von der Praxis entfernt. So empfiehlt ein gewisser Dr. Ritter für den Fall, dass man von einem Hai gebissen wird: „Nichts tun, sich nicht bewegen, auch keinesfalls wegschwimmen, weil dies die Jagdinstinkte anspricht.“ Schuld an den Verletzungen sei vor allem der falsch reagierende Mensch, weil „der Hai zuerst ausprobiert, was er vor sich hat, und nur leicht in Arm oder Bein beißt“. Falls man – menschlich verständlich, aber eben falsch – seine Gliedmaßen zurückzieht, dann amputiere man sich quasi selbst. Am besten sei es, den Hai mit den noch freien Extremitäten „wegzuschieben“. Denn diese Reaktion würde von Haien verstanden und respektiert. Respect, bro!

Aber die Gefahr lauert anderswo. 2014 hat es mehr Tote durch Kühe gegeben als durch Weiße Haie. Deutschland weist jährlich ca. 10.000 Unfälle mit Rindern aus, im Agrarland Österreich wird dies – vermutlich aus gutem Grund – gar nicht erst erfasst. Aber die Chancen, von einem der rund zwei Millionen Horntiere auf der Alm belästigt zu werden, sind hoch.

Offizielle Tipps sind entweder nur für Arktisbewohner neu („Brünftige Stiere nicht streicheln“) oder eher ästhetischer Natur („Grelle Kleidungsstücke meiden“).

Die gute Nachricht kommt aus Wien. Hier sind Sie sicher, in der Hauptstadt leben nur mehr 95 Rinder.


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