Doris Knecht Selbstversuch

Diese Hoffnung wird nie enttäuscht

Kolumnen | aus FALTER 25/16 vom 22.06.2016

Und letzte Woche so: "Wollen Sie vielleicht eine Stammkundenkarte?" "Na! No ned! Danke!"

Das war ein kleiner Kassendialog beim Bständig. In dem Alter sind wir jetzt nämlich, dass wir nun beim Bständig die Geburtstagsgeschenke für die Freunde kaufen. In diesem Fall war es das Präsent für den Jubeltag der Horwathin.

Und bitte, es war eine Blackroll fürs Faszientraining, also etwas Sportliches, weil wir alle fit sind wie die Turnschuhe (dass wir noch "Turnschuhe" sagen, verrät allerdings unsere beträchtliche Angejahrtheit) und regelmäßig Sport machen.

Laufen, Pilates, Yoga, wildes Tanzen, brutales Rudern oder heftiges Workout, was dafür sorgt, dass wir die Teenager jederzeit bei Bauchmuskelübungen abhängen und tüchtig demütigen können, wenn uns gerade danach ist, sie außertourlich zu bestrafen. Weil die immer übersehen, dass wir ein paar ganz brauchbare Muskeln gezüchtet haben unter den Speckschichten, die wir uns am Wochenende mit großer Entschlossenheit anfressen.

Diese Woche mit Leberkäse, selbstgemacht vom Zenker, der bei Willhaben einen ur günstigen Cutter fand und diesen nun hochfrequent zu verwenden trachtet, wobei er unsere volle Unterstützung genießt und die Garantie, dass wir alles bereitwillig verkosten, was er damit cuttert. So wie wir überhaupt alles Zenker'sche engagiert und glücklich verspeisen, weil die so kochen, dass man gerne einfach so ein bisschen bei denen in der Küche herumlungert, in der Hoffnung, dass dabei wieder irgendein fantastisches Teilgericht für einen abfällt, dass gerade gebacken wurde oder dass etwas Übriggebliebenes im Ofen ruht und gerade noch ein bissl warm ist. Diese Hoffnung wird nie enttäuscht.

Auch insofern hat man gern gehört, was der Gesundenuntersuchungsdoktor gesagt hat, nämlich dass man möglichst genau so weiterleben und weiteressen solle wie bisher. (Und weitertrinken, jedenfalls erlaube ich mir, den unterirdisch niedrigen Gamma-GT-Wert so zu interpretieren.)

Vielleicht noch ein bissl mehr Ausdauersport. Aber ich brauche keinen Ausdauersport, ich habe 1 Häusl und 1 Garten, da ist man ausdauertechnisch einigermaßen gefordert. Wenn man zum Beispiel eine detaillierte To-do-Liste fürs Wochenende macht, am Freitag Rasen mähen, am Samstag ausmisten und Möbel lackieren, das Paradeisergehege vergrößern, kubikmeterweise Gebüsch zurückschneiden, Bewässerungsanlage installieren, alles nachsäen, was die Schnecken gefressen haben, und überhaupt den Kampf gegen die Schnecken gewinnen, wo man eh schon denkt: Puhhhh, das wird knapp.

Dann erscheinen, als man eben das letzte Mal mit dem Pinsel das nun glänzend weiß lackierte Möbel streichelt, die Breuß und die Roidl, und der Nachmittag vergeht gediegen im Schatten auf der Europalettencouch, mit eiskaltem Sprudel zur Feier des Babyleberwerts und mit der mentalen Vorbereitung auf den Stress, den man dafür am nächsten Tag haben wird. Die Schnecken so: High five.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige