Kommentar Fußball

Alles wie immer: Unser Drama bei der Europameisterschaft

Falter & Meinung | Lukas Matzinger | aus FALTER 25/16 vom 22.06.2016

Solange die Erinnerung zurückreicht, war das Nationalteam etwas, wovon sich niemand ernsthaft Fan nannte und wovon als einziges Gefühl der Zusammenhörigkeit jenes ausging, dass man sich beizeiten kollektiv dafür genierte. Manchmal, bei dieser EM, wird man an diese Zeiten erinnert.

Spiel eins: Die Frage schien eigentlich nur noch zu sein, wie hoch wir die armen Ungarn aus dem Stadion hauen. Am Ende waren sie es, die uns hochverdient, mit Manndeckung und Kampfgeist, unsere Grenzen aufzeigten, oder wie dem ORF-Kommentator vorkam, "die Sensation schafften". Spiel zwei: Die neue, viel tiefere Spielauslegung funktionierte mäßig. 90 abstruse Minuten später stand es dank eines tapferen Zentrums, das trotzdem Chancen für vier Spiele zuließ, eines überragenden Robert Almer und des Unvermögens der Portugiesen, ins Tor zu schießen, 0:0. Wir feierten den Punkt wie den Villacher Kirchtag.

Vielleicht reicht es doch nicht, in einer Quali-Gruppe, deren Teilnehmer die vielleicht enttäuschendsten Teams des ganzen Turniers sein werden, einen Lauf zu bekommen. Vielleicht sollte man sich doch nie in die Illusion eines Geheimfavoriten reinquatschen lassen. Vielleicht ist ein Spieler, der die ganze Saison Innenverteidiger spielte (Alaba), doch nicht der perfekte offensive Freigeist. Und vielleicht sollte man den, der das wäre (Junuzović), doch nicht eine Halbzeit lang mit kaputtem Knöchel spielen lassen, und sich dann wundern, dass er zum nächsten Spiel auf Krücken geht.

Am Mittwoch folgt der Showdown gegen die Isländer. Wenn sich das ÖFB-Team nicht in wirklich allen Belangen verbessert, werden wir uns sang-und klanglos verabschieden. Und alles wird so sein wie immer.


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