Buch der Stunde

Kapitalismus, Bedürfnisse und Begehrnisse

FLORIAN BARANYI | Feuilleton | aus FALTER 25/16 vom 22.06.2016

Gernot Böhme, der Grandseigneur der Ästhetischen Theorie, denkt über "ästhetischen Kapitalismus" nach. Seine auf Marx, Adorno und Baudrillard fußenden Begriffe werfen ein grelles Licht auf ein System, das nur noch von "Surplus-Konsum" gestützt wird. Das bedeutet: Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, mit Geld, das wir nicht haben, und halten das für normal und vernünftig.

So weit, so anerkannt, so langweilig. Böhmes Kraft liegt in der Kunst der Differenzierung. Für ihn erfüllt unser Konsum schon lange keine Bedürfnisse mehr, sondern antwortet auf produzierte "Begehrnisse", die durch ihre Befriedigung nur intensiviert werden. Das ist kühn auf das Subjekt hin gedacht und führt zu einer Erkenntnis, die Marx zur Ehre gereicht hätte: "Der Mensch transformiert sein System der Bedürfnisse, um den Anforderungen kapitalistischer Entwicklung, d.h. eines immer weiter fortschreitenden Wachstums zu entsprechen."

Die Ideologie des Wachstums atomisiert Böhme mithilfe des physikalischen

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