"Es wird kein 'Ham kummst 2.0' geben"

Das Austropop-Duo Seiler &Speer zählt zu den Highlights beim diesjährigen Donauinselfest

Lexikon | INTERVIEW: STEFANIE PANZENBÖCK | aus FALTER 25/16 vom 22.06.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Plötzlich waren sie berühmt. Als der Falter Christopher Seiler und Bernhard Speer vergangenen Sommer zum Interview traf, kannte sie außerhalb einer einschlägigen Youtube-Community so gut wie niemand. Im Netz verzeichneten ihre Musik- und Kabarett-Videos („Horvathslos“) zwar schon hunderttausende Klicks, aber kein Radiosender interessierte sich für ihre Songs, und große Konzerte waren Zukunftsmusik.

Heute ist alles anders. Die Nummer „Ham kummst“ wird im Radio auf und ab gespielt, Seiler & Speer gewannen zwei Amadeus-Musikpreise, und ihr Debütalbum hat sich zehntausendfach verkauft. Alles hat sich für Seiler & Speer verändert. Nur sie selbst sind wie vor dem Hype die entspannten Typen von nebenan. Das Gespräch fand zwischen ihren Auftritten beim Festival Nova Rock und dem Donauinselfest statt.

Falter: Welches Wort beschreibt die vergangenen zwölf Monate?

Christopher Seiler: Schnell. Sehr schnell. Deshalb haben wir die Entwicklung selber kaum mitbekommen.

Bernhard Speer: Plötzlich bist du überall präsent. Vor einem Jahr war es etwas Besonderes, dass wir auf dem Falter-Cover waren, jetzt sind solche Geschichten Alltag und es interessiert uns nicht mehr. Meine Oma erzählt mir jetzt immer, wenn wir in der Zeitung sind.

Vor einem Jahr wäre ein Auftritt beim größten Rockfestival des Landes noch undenkbar gewesen.

Seiler: Ich dachte, dass das bei Nova Rock niemanden interessieren wird, aber die haben alle mitgesungen.

Speer: Die Leute sind auch bis zum Schluss gelieben.

Bekommt man keine Panik, wenn vor einem diverse Rocklegenden gespielt haben?

Speer: Deswegen geh ich auch nicht anders auf die Bühne. Mir ist das egal, wer da vorher war.

Seiler: Außer, es lässt einer seinen Dreck liegen. Wir räumen ja auch zsamm.

Wie fühlt es sich an, plötzlich berühmt zu sein?

Speer: Ich habe immer darauf hingearbeitet, ich wollte immer dort sein, wo ich heute bin. Das war mein Traum. Das ist, wie wenn kleine Mädchen Prinzessinnen werden wollen. Ich wollte immer berühmt sein.

Der Traum vom Rockstar?

Speer: Ja, so ungefähr. Ich steh halt jetzt mit Austropop beim Nova Rock. Ob man da ein Rockstar ist, weiß ich nicht.

Werden Sie in Österreich auf der Straße erkannt?

Speer: Die Reaktionen sind so, dass die Leute anfangen zu tuscheln und nach eineinhalb Stunden fragen, ob sie ein Foto machen können. Das ist die Österreich-Ausgabe des Hollywood-Hypes: Uns rennt keiner nach und hält uns bei der Hose fest.

Wollten Sie auch berühmt werden, Herr Seiler?

Seiler: Nein, ich wollte immer meine Ruhe haben. Aber wenn ich mich jetzt beschwere, dann muss ich mir selber eine in die Goschn haun.

Sie wurden im Netz mit der Figur Anton Horvath bekannt. Wird es die in Zukunft noch geben?

Seiler: Ja, auf jeden Fall. Wir drehen im September. Ich will nicht nur auf Seiler & Speer reduziert werden. Schon allein wegen der Fans, die von Anfang an dabei sind, das wird durchgezogen.

Wann kommt das zweite Album?

Seiler: Heuer noch, aber wann genau, wissen wir nicht.

Geht es Ihnen jetzt darum, einen Hit nach dem anderen zu produzieren?

Seiler: Nein, das war aber auch noch nie unser Antrieb.

Speer: Es wird kein „Ham kummst 2.0“ geben.  

Wurden Sie gefragt, ob Sie beim Konzert für Van der Bellen spielen?

Seiler: Ja.

Und Sie haben abgesagt.

Seiler: Ja.

Warum?

Seiler: Weil wir nicht einsehen, dass Künstler das ausbaden sollen, was Politiker verbröseln. Das hat nichts mit politischer Einstellung zu tun, aber ich finde das schrecklich. Beim Konzert „Voices for Refugees“ war das anders, da ist es noch um etwas gegangen.

Haben Sie Zeit zum Fußballschauen?

Speer: Mich interessiert’s nicht.

Seiler: Ich versuch mir jedes Match anzuschauen.

Wer ist Ihr Favorit?

Seiler: Österreich, würde ich gerne sagen.

Speer: Das wird sich nicht ausgehen.

Seiler: Die Isländer haben mir gut gefallen. Die können zwar nicht Fußball spielen, aber sie haben gekämpft.

Donauinselfest: 24. bis 26.6 (Einritt frei)
Seiler & Speer spielen am 25.6. um 20.50 Uhr


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige