Phettbergs Predigtdienst

Wer will das schon, ledig begraben werden?

Kolumnen | Hermes Phettberg | aus FALTER 25/16 vom 22.06.2016

Nach der Fußpflege gesellte sich zu mir ein diplomierter junger Schauspieler ins Café Jelinek, schön, wie ihn Gott nicht schöner schaffen könnte! Was für ein gewaltiger Pornograf ist doch Gottvater! Markus und ich verbrüderten uns auf der Stelle, indem ich von der Marillentorte herunterbiss. Dieser große Gentleman ist ab nun mein allerneuester Nothelfer! Von sieben Uhr früh bis halb elf in der Nacht trieb ich mich im Freien herum. Denn Christian Schreibmüller beging zu seinem 67. Geburtstag eine Jazzparty im Gasthaus Amadeus.

Christian Schreibmüller las, verstärkt mit einem Mikrofon, einzigartige Gedichte, wie sie nur Christian einfallen können! Als Christian Schreibmüller merkte, dass Sir eze und ich im Rollstuhl eingetroffen waren, intonierte er: "Zwei dicke tote Männer". Apropos "dick und tot": Wenn Sir eze und ich uns jetzt hanseln, dann kommt sehr schnell folgender Satz: "Wer will das schon, ledig begraben werden?"

Christian Schreibmüller ist sowieso ein Tausendsassa: Christian fotografierte sein Leben lang schon, vor allem ist er bekannt als Gassergassen-Anführer (wo Ankerbrot gebacken wurde), in Wien kennen ihn alle als Poetry-Slammer und Lyriker, und seine Texte sind in seinem neuen Buch "Kannibalenromanze" zu finden.

Alles, was er je geschrieben hat, ist, wenn nicht im Internet, dann in der Edition Tarantel! Christian war mein darstellender "Professor", während ich quasi den jeansnarrischen Pfarrer darstellte in der Tournee "Phettberg rettet die Religion", und Peter Bäcker stellte den Jeansboy dar, dessen Jeansarsch so arg war, dass ich ihn beweihräuchern musste. Christian war auch eine der Startfiguren des Wiener Flohmarktes. Kunst ist sehr distanziert zu Weltanschauungsideologien oder Bekenntnissen.

Das Studium von Mag. Philipp Michael Porta steht total wertneutral zu Religiösem. Natürlich kann es passieren - wie im Fall Philipp -, dass er erstens studiert und zweitens "innig" glaubt.

Und im Fall Christian Schreibmüller ist es konträr, denn Christian hat überhaupt keine Religion in seiner Gedankenwelt verankert. Aber Freundschaften entstehen und vergehen, wie sich Raupen bilden und vergehen. Dann, als Schmetterlinge, können sie im schönen Gewand "protzen".

Phettbergs Predigtdienst ist auch über www.falter.at zu abonnieren. Unter www.phettberg.at/gestion.htm ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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