Film Neu im Kino

Kontroversielles Melodram: "Ein ganzes halbes Jahr"

Lexikon: Kunst: Film | SABINA ZEITHAMMER Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Haydn) | aus FALTER 25/16 vom 22.06.2016

Zuerst sind da die Augenbrauen. Emilia Clarke (die Daenerys Targaryan aus "Game of Thrones") setzt sie gewöhnungsbedürftig exzessiv ein. Um unangenehm überrascht, flehend, hoffnungsfroh, verunsichert oder verkrampft-fröhlich dreinzublicken, hat die von ihr verkörperte Louisa Clark allerdings Grund genug. Nachdem die junge Engländerin mit dem außergewöhnlichen Modegeschmack ihre Arbeit in einem Café verloren hat, muss sie dringend Ersatz finden. Sie wird als Betreuerin für Will Traynor (Sam Claflin) engagiert, der seit einem Unfall querschnittsgelähmt ist. Was Lou auf dem Anwesen der reichen Familie erwartet, ist zunächst nichts als die Ablehnung des missmutigen Will. Mit unbeugsamer Herzenswärme gelingt es ihr, ihn aufzumuntern, auch Gefühle kommen ins Spiel. Da erfährt Lou, dass Will seinem Leben ein Ende setzen will.

Thea Sharrocks "Ein ganzes halbes Jahr", die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Jojo Moyes, die auch das Drehbuch verfasste, gehört zur wachsenden Anzahl von Filmen, die sich mit Sterbehilfe auseinandersetzen. Über eine oberflächliche Annäherung geht es aber nicht hinaus: Zunächst eine Romanze unter ungewöhnlichen Umständen, die die beiden Hauptdarsteller überzeugend auf die Leinwand bringen, mangelt es dem Film später an Feinfühligkeit und am Mut, sein schwieriges Thema in der Tiefe zu ergründen. Die Geschichte rührt zu Tränen, schrammt mit dick aufgetragener Musik und Hochglanzästhetik aber immer wieder hart am Kitsch vorbei. Auch die -mit dem Originaltitel "Me Before You" stärker angedeutete -Entwicklung der Hauptfigur Lou spielt sich großteils nur im Rahmen schön klingender, leerer Worte ab. Mit einer fragwürdigen Message alleingelassen, bleibt das Publikum recht trostlos zurück.


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