Kunst Vernissagen

Einsamer Reiter vor dem Colorado-Plateau

Lexikon: Kunst | aus FALTER 25/16 vom 22.06.2016

Ihre letzte Ausstellung ist viel zu lange her: 2009 war zuletzt eine Personale von Dorit Margreiter in Wien zu sehen, aber die Künstlerin ist auch seit zehn Jahren als Professorin an der Akademie der bildenden Künste im Einsatz und sie hat die Galerie gewechselt. Stimmig also der Ausstellungstitel "Neue Räume": Anstatt bei Krobath präsentiert Margreiter nun in der frisch renovierten Charim-Galerie. Ihre aktuelle Schau kreist um Bildproduktion generell und Film im Speziellen, dessen mythische Schauplätze, Techniken und Requisiten. Für die gezeigten Foto-und Filmarbeiten, "Lichtzeichnungen" sowie skulpturalen Arbeiten werden diese fragmentiert und in abstrakte Zeichenträger verwandelt.

Als Zentrum der Schau fungiert der 16-Millimeter-Film "Transfer (Monument Valley)". Margreiter hat ein berühmtes Panorama mit Tafelbergen gefilmt, wie man es aus Westernklassikern von John Ford kennt. Ein Reiter steht dort -aber es ist kein Cowboy, sondern ein junger Navajo, der vor der legendären Kulisse für Touristenfotos posiert.

Der Film bleibt statisch, die Handlung findet nur im Kopf des Betrachters statt. In anderen, abstrakt wirkenden Arbeiten spielt Margreiter auf die Körnung des Films an, dann wieder auf Belichtungszeiten oder auf die digitalen Filter, mit denen man heutzutage einen Film alt aussehen lässt. Auch die Betonruinen von Frank Lloyd Wrights Ennis House in L.A., in dem Szenen des Sci-Fi-Klassikers "Blade Runner" gedreht wurden, spielen eine Rolle.

Margreiter legt viele -inhaltliche wie formale -Anfänge und Enden aus, spannt sie aber weniger konzis zusammen als bei früheren Ausstellungen. Für den Aufbruch in neue Gefilde schadet es aber sicher nicht, mit prall gefüllten Taschen loszureiten. NS Charim Galerie, bis 31.7.


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