Nüchtern betrachtet

Alle sind Mimosen, die als Robuste posen

Feuilleton | aus FALTER 25/16 vom 22.06.2016

Unlängst wurde ich von einem Bekannten und Teilzeitarbeitgeber als "altes Schlachtross" tituliert. Vorausgegangen war dem ein E-Mail-Verkehr, in dem er sich zu vergewissern trachtete, dass ich doch hoffentlich auch in der Lage sei, mich verständlich auszudrücken. Meine Replik, in der ich für die freundliche Ermunterung dankte, wurde mithilfe des von Professor John Frink konstruierten Sarkasmusdetektors korrekt dekodiert, daher das "Schlachtross" - im Sinne von: "Klaus, altes Haus, das hältst du aus!"

Mir ist es rätselhaft, wie jemand auf die Idee kommt, mir eine robuste Natur zu unterstellen. Robuste Naturen werden Krankenpfleger, Möbelpacker oder machen in Immobilien, aber die gehen doch nicht zum Feuilleton. Weil es das Wort "verhaltensauffällig" noch nicht gab, haben mich sogar meine Eltern als "sensibel" bezeichnet, was mir immerhin einen gewissen Spielraum für hypochondrische und sonstige Zustände eröffnete, die den vorzeitigen Abbruch der Klavierstunde erzwangen und das

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