Kommentar Kultur

Der Minister und das Belvedere: Wie entscheidet Thomas Drozda

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 26/16 vom 29.06.2016

Der neue Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) hat es nicht einfach. In wenigen Jahren hatte sich sein Vorgänger und Parteikollege Josef Ostermayer eine große Reputation aufgebaut. Nach vielen Jahren sprach die Szene wieder fast einhellig positiv über einen Kulturpolitiker.

In seinen ersten Äußerungen signalisierte Drozda, dass auch er die Zustimmung der Künstlerinnen und Künstler sucht. Seine Ankündigung, die Stipendien erhöhen zu wollen, ist eine alte Forderung der freien Szene. Zu viel Geld fließt in die großen Kulturtanker, das Burgtheater oder das Kunsthistorische Museum, während in den Ateliers die Not regiert. Doch auch den etablierten Institutionen will der Minister nichts wegnehmen. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als Kulturmanager, unter anderem im Burgtheater, weiß er, dass die Basisabgeltungen nicht ausreichen. Jährlich steigen die Gehälter, sodass gleichbleibende Subventionen de facto eine Kürzung bedeuten. Wenn Drozda nun ankündigt, sich für eine Valorisierung einsetzen zu wollen, spricht er den Direktorinnen und Direktoren aus dem Herzen. Schwierig wird es sein, auch den Finanzminister von dieser Notwendigkeit zu überzeugen.

Wie entscheidungsstark der Neue ist, wird sich bei der Vertragsverlängerung von Belvedere-Chefin Agnes Husslein-Arco zeigen. Obwohl sie eine beeindruckende Leistung vorweisen kann, hat sie offenbar ein Problem, öffentliche von privaten Interessen zu trennen. Husslein-Arco steht für die Quasi-Privatisierung staatlicher Museen. Wenn sie gegen die Corporate Governance verstoßen hat, muss sie Drozda daran erinnern, dass öffentliches Eigentum heilig ist. Im Sündenfall kann das für sie nur die Vertreibung aus dem Paradies bedeuten.


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