Wie Manfred Deix einen Buben aus gutem Hause in die Fänge der Roten trieb

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 26/16 vom 29.06.2016

Manfred Deix ist schuld daran, dass ich Sozialist geworden bin. Also teilschuldig jedenfalls. Und das kam so. Der VSStÖ, der damals, Anfang der 80er-Jahre, offiziell noch ohne Unterstrich und weibliche Endung auskam, hatte den großen Sohn St. Pöltens dazu gewinnen können, die Plakate für den ÖH-Wahlkampf zu pinseln. Als Bewunderer von Carl Barks hatte sich Deix Donald und dessen drei Neffen als Sujet ausgesucht. Der vom Treiben von Tick, Trick und Track sichtlich vexierte Enterich war unschwer als Bruno Kreisky zu identifizieren, die frechen Neffen als goscherte Jungsozialisten - welche Forderungen sie an den obersten Erpel der österreichischen Sozialdemokratie stellten, habe ich leider vergessen.

Jedenfalls beauftragte mich mein Freund und Studienkollege Karl Duffek, der später Direktor des Renner-Instituts werden sollte und immer schon ein Freund klarer Direktiven war, ich solle uns zwei von diesen Plakaten checken. Also tat ich wie geheißen, suchte die Räumlichkeiten des Verbands am Schmerlingplatz auf und wurde ansatzlos indoktriniert.

Mit Kreisky und Deix bin ich während des Studiums noch einmal in Berührung gekommen, als ich im Vorfeld der Einrichtung des Bruno-Kreisky-Archivs behilflich war, archivrelevantes Zeug von hier nach dort zu schaffen. Darunter befanden sich auch allerlei Dekorstücke, Gastgeschenke und Ähnliches -unter anderem auch ein Aquarell des frühen Deix. Keiner Sau wäre es aufgefallen, hätte ich es in meinen Besitz gebracht. Es wäre heute ein Vermögen wert. Stattdessen habe ich nur ein paar Briefumschläge mit dem Absender "Bruno Kreisky" mitgehen lassen und harmlosen Schabernack damit begangen. #regrettinghonesty!


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