Am Apparat Telefonkolumne

Gibt es in Österreich bereits eine Zwei-Klassen-Medizin, Frau Pilz?

Politik | Anruf: B. Narodoslawsky | aus FALTER 26/16 vom 29.06.2016

Es war ein Hilferuf. Auf Ö1 erzählte Doris Kiefbauer, Geschäftsführerin der Krebshilfe, dass Krebspatienten im Schnitt bis zu acht Wochen auf einen Termin warten, um wichtige MRT- und CT-Untersuchungen zu bekommen. Außer sie sind privatversichert oder haben gute Beziehungen zu Ärzten. Sigrid Pilz, die Patientenanwältin der Stadt Wien, kennt das Problem.

Hat Sie der Hilferuf der Krebshilfe überrascht?

Nein, denn es rufen immer wieder Patienten bei mir an, die sehr verzweifelt sind. Die Wartezeiten für MRT-und CT-Unterschungen sind notorisch. Es ist nicht akzeptabel, dass man schwerkranke Patienten warten lässt, die das Ergebnis unbedingt brauchen, weil davon ihre weitere Therapie abhängt.

Was erzählen Ihnen die Patienten?

Sie berichten, wie sie herumtelefonieren und einen Termin schließlich nur mit Aussicht auf lange Wartezeit bekommen. Dann geben ihnen manche Institute, die diese Untersuchungen durchführen, zu verstehen, dass sie als Privatpatienten schon in den nächsten Tagen drankommen können. Viele opfern dann ihr Erspartes, weil sie nicht Monate auf den Termin warten wollen. Sie wollen schließlich Gewissheit darüber haben, was sich da in ihrem Körper entwickelt. Aber das können sich nur die Patienten leisten, die gut verdienen.

Haben wir eine Zwei-Klassen-Medizin?

Ja, und das ist ein Ausdruck davon.

Wie kann man die Wartezeiten für die Krebspatienten entschärfen.

Zwischen der Sozialversicherung und der Wirtschaftskammer besteht ein Vertrag, der regelt, dass alle Versicherten behandelt werden müssen. Jene Unklarheiten im Vertrag, die zu dieser notorischen Situation führen, gehören schleunigst bereinigt. Der Machtpoker darf aber nicht auf Kosten der Patienten ausgetragen werden. Worüber man auch reden sollte: Nicht jede MRT-Untersuchung ist notwendig. Sie werden von Ärzten oft zu leichtfertig verordnet. Wir sollten also überlegen, ob das künftig nur noch Fachärzte und keine Hausärzte mehr tun dürfen.


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