Ohren auf Diverse Pop-Opis

Oldiesparade des internationalen Popgeschehens

Neil Young und Promise of the Real gastieren am 23. Juli auf der Burg Clam

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 26/16 vom 29.06.2016

Schon wieder Neues von Neil Young? Tja, der 70-jährige kanadische Meister des sanftmütigen Zorns hält nichts davon, im Alter eine ruhige Kugel zu schieben. Sein Live-Doppelalbum "Earth"(Reprise), aufgenommen mit der Band Promise of the Real, der zwei Söhne der Country-Ikone Willie Nelson angehören, verzichtet beim Streifzug durchs üppige Werk weitgehend auf die offenkundigen Hits (eh gut), wobei das letztjährige Album "The Monsanto Years" aber überproportional vertreten ist (weniger gut). Neben der Liebe predigt Onkel Neil, mal behäbig schunkelig, mal angriffslustig, den respektvollen Umgang mit Mutter Erde und verwirrt durch willkürlich hineingemischte Tier-und Autohupengeräusche. Unterm Strich okay, aber keines der 15 essenziellen Neil-Young-Alben.

Ganz klassisch legt Paul McCartney, 74, seine Retrospektive "Pure McCartney" (Concord) an. Er durchmisst 45 Jahre Post-Beatles-Schaffen und trägt für Einsteiger 39 Songs auf zwei CDs, für Fortgeschrittene gleich 67 Titel auf vier CDs zusammen. Von Homerecording-Lo-Fi-Kleinoden reicht das Angebot über verschmuste Groover und edlen Popkitsch bis zu kompaktem Rock. Von einzelnen Torheiten ("Say Say Say" als 2015er-Remix, echt jetzt?) abgesehen, wirken Ästhetik, Sound und Vibe über die Jahrzehnte relativ konstant. Der Mann ist also nicht nur ein großer Songwriter, er ist auch recht geschmackssicher. Schade nur, dass Mc-Cartneys experimentelle Seite hier ignoriert wurde.

Paul Simon, ebenfalls 74, hat tatsächlich neue Songs im Angebot. Ganz bezaubernde noch dazu: Trotz mehrjähriger Arbeit auf lediglich 37 Minuten komprimiert, zeigt sich der luftig-lässige Worldpop von "Stranger to Stranger" (Concord) bei aller akustischen Zartheit immer wieder von markanten Rhythmen geprägt. Das Songwriting ist ausgeschlafen und verspielt, die unaufdringlich präsente Stimme voll Melancholie, Wärme und Zuversicht.


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