"Manfred! Was machst du da?" Erinnerungen an das letzte Falter-Interview

Feuilleton | Florian Klenk | aus FALTER 26/16 vom 29.06.2016

Es war ein paar Tage nach dem Mord an den Karikaturisten von Charlie Hebdo, als wir Manfred Deix zum letzten Gespräch trafen. Er lud in den Gmoa-Keller an den Stammtisch, wir aßen die legendäre Leber und tranken dunkles Bier. Es sollte ein Gespräch über Satirefreiheit und das Lachen über Gott und den Spott über falschen Götzendiener werden.

Deix wirkte müde, er scherzte, dass er auf der Intensivstation gelegen sei und dass ihn die Schwestern dort ständig ans Zumpferl fassten. Er wirkte verstörend schwach, er ärgerte sich, die Konzentration zu verlieren. Er rauchte E-Zigaretten, richtige Tschick hatten die Ärzte verboten, seine Lunge war angegriffen.

Es sollte dennoch ein langes Gespräch werden: über Gott und Humor und über sein Leben als Zeichner der Nation.

Deix hat sich nie etwas gschissen. Nur die Islamisten waren ihm nicht ganz geheuer. Er nahm zwar im Gmoa-Keller einen Bic-Kuli und den Notizblock des Reporters zur Hand, um seine Sicht auf den islamistischen Fundamentalismus zu Papier zu bringen, aber als seine Frau, sein Lebensmensch Marietta, vor einem potenziellen Attentätern warnte ("Manfred! Was machst du da! Wir müssen ins Hotel übersiedeln! Hör auf mit dem Blödsinn!"), beschwor Deix die Falter-Reporter, die Zeichnung nie öffentlich zu zeigen, zumindest nicht zu Lebzeiten.

Deix war unzufrieden mit dem Interview. Deshalb wollte er sich noch einmal treffen, in einem Pub in Purkersdorf. Und da hatte er etwas ganz besonderes dabei: eine Mappe mit sehr stillen, ja fast schon liebevollen Aquarellen österreichischer Figuren. "Wollt ihr sie drucken?", fragte er. Was für eine Frage. Danke.

Siehe auch im Falter-OnlineArchiv: Das letzte Falter-Interview mit Manfred Deix können Sie im Falter-Archiv nachlesen. http://tinyurl.com/jbj3gfw


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