Selbstversuch

Dann lieber in Frieden Klo putzen

Doris Knecht nimmt die Teenexit-Drohung nicht so ernst

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 26/16 vom 29.06.2016

Das Teenager-Volk im Schulabschluss-Party-Stress. Während die anderen Landhäuser von Übernachtungspartys mit Dutzenden minderjährigen Partizipanten vibrieren, sind die eigenen Teenager in der Stadt geblieben, um auf anderen Partys zu feiern und sich ausführlich von allen Klassenfreundinnen zu verabschieden. Also emptynestert man sich durchs Wochenende, und es ist eigentlich ganz gut auszuhalten. Die Roidl ist zu Besuch, wir hackeln in der Gluthitze (u.a., weil leider keine Kinder da sind, die man zum Rasenmähen verdonnern kann), stellen größere Mengen Erdbeermarmelade her, kochen nichts und chillen am Wasser.

Apropos Rasenmähen. Die Teenager, die, weil gesunde junge Menschen, Rasenmähen hassen, bekommen dafür sechs Euro pro Stunde. Bedauerlicherweise führt das nicht dazu, dass sie das Rasenmähen dadurch weniger hassen, also schieben sie es ab Freitagnachmittag so lange vor sich her, bis die Mutter in den Brüllmodus verfällt, weil es nicht viel bringt, wenn man das Wochenende lang durch hohes Gras watet, und am Sonntagabend, bevor man zurück in die Stadt fährt, ist alles schön gemäht.

Im Wiener Haushalt ist es ähnlich. Die Erziehungsberechtigte macht das meiste selber, aus Gründen: Erstens müssen die Kinder unter der Woche so viel für die Schule tun, dass man sie danach, wenn sie endlich fertig sind, nicht auch noch zum Spülmaschinenausräumen, Küchesaubermachen und Wäscheaufhängen verurteilen will. Da macht man's lieber selber, auch weil man so wahnsinnig gut auf das Gemaule verzichten kann, das zwingend einsetzt, wenn man das Urteil doch einmal spricht. Lieber in Frieden Klo putzen als in Unfrieden faulenzen. Ja, völlig klar, das ist pädagogisch ausgesprochen wertlos. Andererseits weiß ich, dass es die meisten anderen Mütter und ein paar Väter genauso händeln.

Auch wenn es wirklich ein Elend ist, wenn man 14-Jährigen, die sich über ungewaschene Lieblingsleiberln beklagen, erstmal die Funktion der Waschmaschine erklären muss. Zuerst tust du die Wäsche da hinein - nein, nicht so viel!!! -, dann machst du da auf und tust das Waschmittel hier hinein, dann machst wieder zu, dann drehst du da auf 40, dann drückst du da auf den Knopf. Na, das ist gar nicht kompliziert, du musst es nur öfter machen; jaja, ist mir klar.

Beim Rasenmähen wurde nun eine neue Regelung eingeführt: Das Honorar wird ab sofort gestaffelt. Wer am Freitag mäht, bekommt die vereinbarten sechs Euro, am Samstag gibt's nur noch fünf, am Sonntag drei. Und nein, aufs Mähen zu verzichten ist leider unmöglich, außer man nimmt gerne allerärgste Sanktionen in Kauf. Natürlich drohen die Kinder mit Teenexit, aber noch ist das nicht allzu ernst zu nehmen. Bzw.: So ein ganz kleines bisschen Teenexit, so ein Wochenende ab und zu, ist eh okay. Friede, Verpflichtungslosigkeit, Wiedersehensvorfreude. Und dann hat mir auch noch der Horwath ein herzzerreißendes Cacciatore-Kaninchen gekocht Kann gerne so bleiben, das Leben.


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