Baba Ganoush, Oida!

Die Innenstadt hat ein neues Top-Restaurant mit Foodtruck

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 26/16 vom 29.06.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Vom neuen Dinner-Club Blue Mustard, in dem Alexander Mayer da jetzt seine so wahnsinnig guten drei Menüs kocht, hat Kollegin Nina Kaltenbrunner schon vorige Woche im Gerichtsbericht erzählt. So nah am Graben, aber so nicht am Reiche-Touristen-Standard orientiert, das ist fast schon provokant.

Und nicht nur das, Blue-Mustard-Chef Vage Hovaguimian hat gleich ein bisschen weiter provoziert: Das Konglomerat aus seinem ebenerdigen Restaurant, dem im Untergeschoß liegenden Billardcafé Köö und dem im Keller drunter befindlichen Kabarettlokal Casanova verfügt über eine Art Lobby, eine doch recht große Eingangshalle. Die Hovaguimian einerseits als wettergeschützten Raucherbereich für das Blue Mustard zu verwenden gedenkt. Und für die er andererseits einen alten Wohnwagen aus den frühen 50ern gekauft hat, der einst zum Wahlkampftross irgendeines amerikanischen Präsidentschaftskandidaten gehört hatte.

Der wurde entrostet, an die Wand geschraubt und zum (nicht wirklich mobilen) Foodtruck ausgestattet. Und weil Küchenchef Alexander Mayer sehr dazu riet, dass man hier dann nicht genau die gleichen Wraps, Burritos und Burger machen solle wie alle anderen Foodtrucks, beschloss Vage Hovaguimian, eher sein eigenes Leben – das sich bisher unter anderem in Armenien, in Syrien und in New York abspielte – take-away-mäßig umzusetzen.

Was schon einmal eine wirklich gute Idee ist, und noch besser, dass er Iwan „Joo“ Daody holte, einen jungen Koch, der voriges Jahr aus Syrien floh und im Frühling schon bei der bemerkenswerten Aktion „Nächstenliebe in der Marktwirtschaft“ kochte.

Der momentanen Tendenz in Richtung Naher Osten, die bei Innenstadt-Snacks dank Miznon, Hungry Guy und demnächst dem neuen O.S.B. eindeutig festzustellen ist, fügt Joo da noch ein paar ganz herausragend köstliche Elemente bei: Baba Ganoush im Einmachglasl, zum Beispiel, eine riesige Portion (genug für zwei) eines sehr frisch-zitronig-minzig angelegten Auberginen-Gemüses mit frittierten Pita-Streifen (€ 7,50). Und dann Knish, eine jüdische Germteigroulade aus unendlich reichhaltigem Teig mit entweder Fleisch oder sehr guter Erdäpfelfülle (€ 4,60). Oder wirklich extrem gut die sogenannte Toshka, zwei übereinandergelegte Pitas mit Lamm-Rind-Käse-Füllung, die dann gegrillt werden, bist du deppert, ist das gut (€ 7,20). Auch die pikante Chicken-Fajita kann was, und bei der mit Falafel und Tahine gefüllten Pita-Roulade ist Joo dann wieder wirklich zu Hause – bessere Falafel kann derzeit kaum wer in Wien.

Selbstgemachte Limonaden gibt’s auch, vor allem haben die da aber eine mächtige Espressomaschine im Wohnwagen stehen, und die junge Frau, die sie bedient, kennt sich auch damit aus.

Das ist wirklich gutes, schnelles Essen, und vor allem einmal ganz was anderes, als einem sonst in der Gegend geboten wird.

Resümee:

Ein Foodtruck, der zwar nicht fahren kann, dafür aber gute Dinge aus dem Nahen Osten macht und somit eh stehen bleiben soll.

Blue Mustard Foodtruck
1., Dorotheerg. 6–8, Mo–Sa 8–17 Uhr,
www.facebook.com/bluemustardwien


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