Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Der beste Badeschluss der Welt der Woche

Feuilleton | Barbara Tóth | aus FALTER 26/16 vom 29.06.2016

Es soll Menschen geben, die nur wegen des Badeschlusses ins Bundesbad Alte Donau gehen. Jetzt im Hochsommer, also in den Monaten Juli und August, hat das einzige im Besitz des Bundes befindliche Bad der Stadt Wien (es wird von der Burghauptmannschaft verwaltet, ja, wirklich!) erfreulicherweise bis 20 Uhr geöffnet.

Um Punkt 19.30 Uhr schaltet Badeleiter David Fritz die Lautsprecheranlage an, erklärt in verständnisvollen Worten, dass nun Badeschluss sei und man bitte seine Sachen zusammenpacken möge und in Richtung Kasse aufbrechen.

Dann legt er Enrico Tosellis Serenade op. 6,1 für Klavier und Geige auf. Besser: Er spielt sie vom Band. Die Melodie hebt langsam an, wehmütig und gleichzeitig hoffnungsfroh schallt sie über die Liegewiese.

Und dann? Dann rauscht der Wind durch die wunderbar alten Bäume des Bades, die Spätabendsonne glitzert auf der Alten Donau, die kleinen frechen Fische trauen sich ganz nah zum Strand, ins bacherlwarme, flache Wasser, die Schwäne halten sich bereit, das Ufer zurückzuerobern, und es senkt sich eine beschauliche, fast melancholische Ruhe über das schönste aller Alte-Donau-Freibäder.

Warum das Bundesbad seine Gäste ausgerechnet mit diesem sentimentalen Klassiker des bald in Vergessenheit geratenen und früh verstorbenen italienischen Komponisten Toselli verabschiedet, ist nicht näher bekannt. "Ich bin seit sechs Jahren hier, und davor war das auch schon immer so", meint David Fritz.

Toselli war erst 19, als er diese Serenade im Jahr 1900 komponierte. Wenn er wüsste, wie viele Kinder zu seinen Tönen schon Abschied von einem Badetag nehmen mussten, von dem sie gehofft hatten, er würde endlos dauern - er wäre sicherlich sehr erfreut.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige