Kunst Kritik

Rasierschaum im Pop-up-Museum

Lexikon | MD | aus FALTER 26/16 vom 29.06.2016

Ein ehemaliges Bürogebäude in der Nähe des Schwarzenbergplatzes ist derzeit Schauplatz einer engagierten Ausstellung. Die Kuratorin Angela Stief, die früher an der Kunsthalle Wien tätig war, gibt in dem trashigschicken 1970er-Jahre-Gebäude eine "Pop-up-Schau" über die lokale Szene, wobei Verkanntes und Übersehenes im Vordergrund stehen. In "Off Is" zu sehen ist etwa ein Werk der feministischen Objektkünstlerin Renate Bertlmann oder der Maler Dejan Dukic. Der Künstler presst Farben durch die Leinwand, wodurch abstrakte, reliefartige Oberflächen entstehen.

In einer pinken Bodeninstallation macht Anneliese Schrenk die Oberflächenstruktur der Betonböden sichtbar. Peter Sandbichler will seine Arbeit "Twisted Democracy" als politisches Statement verstanden wissen. Der Künstler verschalte einen Raum mit Pappkarton und löste die räumliche Ordnung auf: Boden und Wänden sind bedrohlich eng und schief. Die Kuratorin sieht in dem Projekt auch eine indirekte Kritik an der Kulturpolitik. Der Staat stecke viele Millionen in große Museumstanker, während die meisten Künstlerinnen und Künstler von der Hand in den Mund lebten. Auch die Galerien würden sich viel zu wenig um die Belange der jungen Szene kümmern, kritisiert Angela Stief.

Die Bildhauerin Toni Schmale schaffte die schwere Gummimatte, die ihren Heavy-Metal-Objekten als Sockel dienen, mit dem Fahrrad heran. Auch der Künstler Christan Eisenberger verbrachte viel Zeit in der temporären Kunsthalle. Er verwandelte ein Vorzimmer, in dem zu Bürozeiten die Sekretärinnen saßen, in eine Dada-Höhle. An der Wand picken vertrocknete Brotscheiben, auf eine Kartonwand schmierte er mit Rasierschaum den Nike-Slogan "Just do it!". Die Verwandlung einer Office-Zentrale in einen Off-Palast ist gelungen.

Temporary Art Space, bis 30.7.


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