Neue Platten

Feuilleton | aus FALTER 26/16 vom 29.06.2016

Pop

Floorplan: Victorious

Robert Hood ist eine der Größen des Detroit-Techno. Die missliche wirtschaftliche Lage der Stadt transzendiert er seit 25 Jahren in einem minimalistischen Sound mit futuristischer Anmutung, hohem Funkfaktor und leisen Jazzanklängen. Als Floorplan lebt Hood, wie Soulmann Al Green auch Priester, seine spirituelle Seite aus. Er lässt Gospelsamples auf treibende Beats treffen und hebt die Grenzen zwischen Techno und Disco auf. Seine frohe Botschaft bringt auch Ungläubige zum Jauchzen. (M-Plant) SF

Jazz

Kandace Springs: Soul Eyes

Die Frage, inwieweit das überhaupt Jazz ist, wäre vernachlässigenswert, würde das Label Blue Note, auf dem das Debüt der 27-jährigen US-Sängerin erschienen ist, nicht immer noch historische Assoziationen wecken. Die kulinarisch phrasierte und mit Terence Blanchards Trompete veredelte Coverversion von Mal Waldrons "Soul Eyes" vermittelt noch am ehesten eine Ahnung davon, dass Springs mehr drauf hat als den ziemlich kitschigen Softsoulpop, mit dem der Rest des Albums gefüllt ist. (Blue Note) KN Porgy & Bess, 4.7., 21 Uhr

Klassik

Lucas Debargue: Scarlatti, Chopin, Liszt, Ravel

Als Pianist ist Lucas Debargue ein Spätzünder. Er beginnt erst mit elf zu spielen, bricht mit 17 ab, weil ihm der Bass mehr Spaß macht, hängt in Jazz-Clubs ab und wendet sich dann 20-jährig wieder dem Instrument zu. Jetzt legt der Autodidakt sein erstes Album vor, eine Live-Aufnahme, ohne Filter, mit Werken von Scarlatti über Liszt bis zu Schubert und Grieg. Alles perlt dahin, sehr fein, sehr elegant und immer ein bisschen extravagant. Bei Ravels "Gaspard de la Nuit" lässt es Debargue dann so richtig krachen. Genial. (Sony) MDA


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