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Der Computer, der den Rembrandt fälschte

Medien | Betrachtung: Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 26/16 vom 29.06.2016

Dieses Bild rechts schreibt Geschichte. Weil es irre ist. Und weil es beim Cannes Lions International Festival, auf dem Europas wichtigste Preise für die Werbeindustrie vergeben werden, sowohl den Grand Prix in der Kategorie Cyber als auch jenen in der Kategorie Creative Data abräumte (die "Inferno"-Kampagne des Falter kassierte in Cannes übrigens sechs Löwen, mehr dazu auf Seite 3).

"The next Rembrandt" heißt das Werbeprojekt des Finanzdienstleisters ING, der sich mit diesem technischen Meisterwerk in der Öffentlichkeit als Förderer von Innovation positionieren will. Die niederländische Firma hat Meister Rembrandt - 1669 in Amsterdam zu Grabe getragen - wieder zum Leben erweckt.

Datenspezialisten analysierten 346 Kunstwerke von Rembrandt und berechneten das durchschnittliche Motiv seiner Werkschau: Porträt eines bärtigen Weißen zwischen 30 und 40 Jahren im dunklen Gewand mit Kragen und Hut.

Sie vermaßen die Gemälde mit Scannern, übersetzten die Pinselstriche in 150 Gigabyte Daten und programmierten Algorithmen. So kreierten sie das typische Rembrandt-Gesicht mit typischen Rembrandt-Augen und typischer Rembrandt-Nase. Damit es echt wirkte, analysierten die Datenspezialisten selbst Höhenunterschiede einzelner Farbschichten auf Rembrandt-Gemälden, übertrugen sie auf das neue Porträt und druckten es mit einem 3-D-Drucker aus.

Herausgekommen ist ein Werk, das bestimmt nicht zu Rembrandts besten zählen würde, eher zu den sehr durchschnittlichen. Dennoch: Das Werbeprodukt aus der Maschine würde zumindest einem interessierten Laien nicht auffallen. Faszinierend. Gruselig.


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