Kunst Kritik

Bitte bücken: An den Grenzlinien entlang

Lexikon | NS | aus FALTER 26/16 vom 29.06.2016

Ein hoher Maschendrahtzaun dominiert derzeit das Entree im Kunstraum Franz-Josefs-Kai 3. Die Besucher müssen durch ein Loch in dieser von Gabriele Sturm errichteten Barriere schlüpfen, um zur Gruppenschau "Where are we now?" zu gelangen. Sturm fotografiert schon länger solche Passagen, die Menschen und Tiere durch Absperrungen benützen, etwa für Schmuggelware (wie exotische Vögel) oder für Flüchtlinge (an der Grenze von Spielfeld). So plakativ die Setzung eines Zauns aktuell erscheinen mag, für die Ausstellung funktioniert sie nicht schlecht.

Kurator Roland Schöny präsentiert seine Auswahl zur künstlerischen Darstellung von Grenzen, die vor großen Gesten nicht zurückschreckt. So trumpft Peter Weibels Installation "Europa(t)raum" mit riesigen, blutrot bemalten Messerklingen auf, was wohl bereits zur Entstehung der Arbeit 1983 peinlich gewirkt hat. Auch die mahnmalhafte Rauminstallation "I want to live where I can be free" der russischen Künstlerin Masha Poluektova im Keller, die in einem verdunkelten Raum Porträts von im Mittelmeer Vermissten zeigt, erschlägt mit seinem Pathos.

Den Ausstellungsbesuch lohnt hingegen Ruth Schnells Videoinstallation, die an Grenzanlagen in Mexiko, Israel und Irland entlangführt. Was zunächst wie ein Film erscheint, hat die Künstlerin de facto aus Einzelbildern von Google Earth generiert. Hubert Blanz hat hingegen eine Ansicht von Istanbul aus Fragmenten von Festplatten produziert, die einem Satellitenbild gleicht.

Historische Landkarten hat die Künstlerin Ramesch Daha gemalt, die sich mit dem Bau der transiranischen Eisenbahn beschäftigt und der Rolle Persiens im Zweiten Weltkrieg nachgeht - interessant, aber ohne Erklärung des historischen Kontexts schwer verständlich und zu ausufernd.

Franz-Josefs-Kai 3, bis 3.7.


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