Watchdog

Wenn der Boulevard aus der EU hinausführt

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 26/16 vom 29.06.2016

2008 schrieben der damalige Kanzler Alfred Gusenbauer und der designierte SPÖ-Chef Werner Faymann einen offenen Brief an den Herausgeber der Krone, der EUfeindlichen und auflagenstärksten Zeitung Österreichs: Sie versicherten ihm, bei künftigen EU-Reformverträgen für eine Volksabstimmung zu kämpfen. Die ÖVP sprengte dar aufhin die Koalition, der Kanzler trat zurück, SPÖ und ÖVP verloren bei der Wahl massiv.

In England versprach David Cameron eine Volksabstimmung über den Austritt Großbritanniens, wenn er an die Macht käme. Cameron wurde Premier, die Briten traten aus der EU aus, Cameron trat zurück (siehe Seite 9). Wahlhilfe für den EU-Austritt war vom Boulevard gekommen. The Sun, die dem konservativen Milliardär Rupert Murdoch gehört, titelte mit "Beleave in Britain", die Daily Mail mit "If you believe in Britain vote Leave". Wie die Qualitätszeitung Guardian recherchierte, waren zahlreiche ausländerfeindliche Artikel und Anti-EU-Geschichten in den Boulevardblättern schlicht falsch, sie bereiteten dem Austritt damit den Boden.

In Österreich hat die öffentliche Hand heuer allein im ersten Quartal 7,1 Millionen Euro Steuergeld in Form von Inseraten in die beiden Boulevardblätter Krone und Österreich gesteckt.


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