#Grentrance

Ein neues Yppen-Lokal kocht tatsächlich griechisch. Und tatsächlich gut

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 27/16 vom 06.07.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Ein heißer Sommerabend an der Yppe. Absolut jeder Platz in absolut jedem Lokal ist besetzt, gefühlte 5000 Grünwähler chillen bei Bier, Aperol und Weißem Spritzer, Kinder laufen herum, die Fahrradsituation darf als „amsterdamesk“ bezeichnet werden.

In den Seitengassen geht es ein bisschen ruhiger zu. In der Payergasse zum Beispiel, wo vor ein paar Wochen ein Lokal eröffnete, das Kafeneon heißt und sich nach außen hin äußerst bedeckt gibt. Drei, vier winzige Tischchen am Gehsteig, schlichte Fassade, Eingangstür mit kleiner Treppe. Drinnen mediterran-kühler Terracottaboden und ein Regal mit griechischen Spezialitäten. Aber dann kommt Renata Dietl und mit der Zurückhaltung ist es vorbei.

Man erfährt, dass die Frau mit den feuerroten Haaren bis vor kurzem Chemikerin und Pharmazeutin war, dass der Baumeister ihrer Wohnung auch der Baumeister des Lokals ist und dass sie mehr oder weniger spontan einen Lebenswandel beschloss. Und dass sie, weil sie mit einem Griechen verheiratet und außerdem gerne in Griechenland sei, halt ein griechisches Lokal machte. Und dass es ursprünglich eigentlich gedacht war, ein – wie der Name Kafeneon/Kafenio/Kafenion schon sagt – Café zu machen, in dem man ein bisschen was trinken und ein paar Oliven naschen, vor allem aber zusammensitzen und plaudern kann.

Nur stieg dann die griechische Freundin Jula Georgiou mit ein, und damit war’s mit „einfach nur Oliven“ vorbei. Denn Jula, die aus Patras kommt, ist eine ebenso hervorragende wie leidenschaftliche Köchin.

An die Speisekarte des Kafeneon muss man sich nicht unbedingt halten, denn die Wahrscheinlichkeit, dass es etwas, was da draufsteht, nicht mehr gibt, ist ungefähr genauso groß wie die, dass es andere wunderbare Sachen gibt, die nicht draufstehen. So ging es uns mit den Zucchini-Laibchen mit Joghurtsauce und mit dem Taramo-Salata (okay, der stand auch nicht auf der Karte, war aber trotzdem schon aus), aber dafür gab’s das wildeste Tsatsiki Ottakrings, mit sehr viel Knoblauch und sehr viel Olivenöl, herrlich, und ein Gericht namens Spetzofai, ein Ragout aus drei verschiedenen Paprika, mürben Paprikawürsteln, sehr viel Knoblauch und sehr viel Olivenöl, noch herrlicher. Wenn ich mit den Namen Kritamo und Tsitsiravla etwas anfangen hätte können, hätt ich sie natürlich genommen: Meeresfenchel und gekochte Blüten vom wilden Pistazienbaum. Egal, Moussaka war auch großartig, Zimt-Piment-würzig, und das Platterbsenpüree Fava mit gekochtem Oktopus – typisch griechisch eher bissfest – sowieso. Und das Rosengelee, das sie mit fettem Joghurt serviert, mache ihr Cousin, erklärt Jula, und das bekomme man in ganz Griechenland nicht so gut. Und am Schluss muss man noch einen dunkelbraunen, bitteren Zimtlikör trinken und ist insgesamt sehr glücklich.

Resümee:

Ein neues, kleines, griechisches Lokal, das in seiner heiteren Spontaneität sehr viel griechischer ist als die meisten anderen Griechen.

Kafeneon
16., Payerg. 7, Tel. 0664/799 03 70,
Di–Fr 13–22, Sa 9–22 Uhr


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