Neue Platten

Feuilleton | aus FALTER 27/16 vom 06.07.2016

Pop

Blood Orange: Freetown Sound

Der englische Sänger und Produzent Dev Hynes schreibt im Brotberuf für Florence and the Machine oder Kylie. Seine eigene Musik als Blood Orange ist auch eingängig, zielt aber nicht auf Pophits ab. "Freetown Sound" kommt vielmehr als ambitioniertes Konzeptalbum zu Themen wie Gender und Glauben daher. R'n'B und Dancepop der späten 80er (erinnert sich noch wer an George Michael?) treffen auf Zwischenstücke mit Spoken-Word-Charakter und Jazz-Einschlag. Ziemlich eigen und sehr schön. (Domino) SF

Pop

Red Hot Chili Peppers: The Getaway

Die einstigen Funk-Rock-Zappelphilipps aus Kalifornien haben erstmals seit 1989 ohne ihren Stammproduzenten, den möglicherweise eh chronisch überschätzten Rick Rubin, aufgenommen. Stattdessen überwachten Nigel Godrich (Radiohead) und der auf coole Eleganz spezialisierte Danger Mouse den Sound. Die Idee ist gut, die Umsetzung so lala: Gewohnt perfekt gearbeitet, bietet "The Getaway" als bislang poppigste Chili-Peppers-Platte angenehme Sommermusik, die letztlich aber gar ereignisarm dahinplätschert. (Warner) GS

Jazz

Thumbscrew: Convallaria

Es tut nicht weh, wenn dieses Trio die Daumenschrauben anzieht. Das Zusammenspiel von Mary Halvorson (g), Michael Formanek (b) und Tomas Fujiwara (dr) ist "tight" nur im Sinne von dicht und vielschichtig, und dennoch lassen die formidablen Musiker einander genug Raum. Struktur geht hier vor Power, Organisation vor Expression, ohne dass dieses über weite Strecken zügig groovende und klangfarbensubtil differenzierte Album je überkonzeptualisiert wirken würde. Anmut und Intelligenz - endlich vereint! (Cuneiform) KN


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