Wo die wilden Blumen blühen

Mit dem Helmut-Zilk-Park wird Wiens drittgrößter Park eröffnet. Was muss ein moderner Park können?


Rundgang: Birgit Wittstock
Stadtleben | aus FALTER 27/16 vom 06.07.2016


Foto: Christopher Mavric

Foto: Christopher Mavric

Dass Tobias Eichhorn der Schweiß auf der Stirn steht, mag an der Sonne liegen, die an diesem Nachmittag glutheiß herunterbrennt, aber nicht nur. Es liegt auch an dem Termin, der immer näher rückt. Noch wenige Tage bis zur großen Eröffnung am 8. Juli. Dann werden hier, wo jetzt noch kleine Bagger Berge von Schotter und Aushub verschieben und sich frisch gesäte Korn- und Mohnblumen langsam durch die zum Schutz vor Wind und Vögeln ausgelegte Strohschicht bohren, Kinder herumtollen, DJs Musik auflegen, Politiker Einweihungsreden halten und Hundertschaften von Anrainern die erste Etappe des drittgrößten Parks der Stadt feiern.

Bauleiter Tobias Eichhorn und seine fünf Mitarbeiter werden dann weiterziehen, in den südöstlichen Teil des riesigen Areals im Favoritner Sonnwendviertel, Richtung Simmering, in jenen Teil, der jetzt noch brachliegt, und diese Stadtwildnis aus regengefüllten Senken, buschigem Gestrüpp und Schotterdünen bis 2017 in gefälliges Grün verwandeln: in den Helmut-Zilk-Park, die ambitionierteste Anlage der Stadt und mit sieben Hektar Fläche der größte Park, den man seit der Eröffnung des Kurparks Oberlaa im Jahr 1974 angelegt hat. Kurz: ein Park-Prestigeprojekt im Herzen eines Stadtplanungs-Prestigeprojekts.

Seit 2012 beschäftigt sich die Stadt mit der Entwicklung des Gebiets südlich des neuen Hauptbahnhofs. Seitdem sind auf dem Areal, das einst den ÖBB gehörte, Dutzende Gebäude in die Höhe gezogen worden. Rund 5000 Wohnungen für an die 13.000 Menschen und etwa 20.000 Arbeitsplätze sollen in dem neuen Stadtteil, dem Sonnwendviertel, bis 2019 entstehen. Geschäfte, ein Schulcampus, Kindergärten, Ärztepraxen, Apotheken – und in der Mitte ein großer Park, der drei Bezirke verbinden soll: den zehnten im Westen, den dritten im Nordosten, in den künftig eine Brücke zum Arsenal führen wird, und den elften im Südosten. Für ihre zentrale Lage eine Fläche von imposantem Ausmaß: 800 Meter von Nord nach Süd und 350 Meter von Ost nach West.

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