Film Neu im Kino

"Ma Ma" - Der Ursprung der Langeweile

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 27/16 vom 06.07.2016

Im ersten Drittel des Films herrscht noch eine bemerkenswerte Sogkraft. Begonnen beim geheimnisvollen Mädchen, das auf die Kamera zugeht und ernst hineinblickt. Fortgesetzt mit der Hauptfigur Magda, die aufgrund eines Knotens in der Brust den Gynäkologen Julián aufsucht und mit wenigen lakonischen Worten ein Bild von Spanien in der Wirtschaftskrise und ihres Lebens in der Ehekrise skizziert. Eine schwankende Kamera, die die über Magda hereinbrechenden Emotionen angesichts der Krebsdiagnose mitfühlt.

Auch die Figuren in "Ma Ma - Der Ursprung der Liebe" von Julio Médem entsprechen keinem 08/15-Schema: Magda lernt Arturo kennen, der gerade selbst einen Schicksalsschlag zu verarbeiten hat. Mit ihm und ihrem Sohn Daní wird sie zu einer neuen Familie zusammenwachsen, in der auch Julián immer wieder auftaucht - waren sich die beiden Männer doch einst in einem Swinger-Club nähergekommen.

Hauptdarstellerin Penélope Cruz leistet gute Arbeit in diesem Drama, das ein ungewöhnliches Werk über Leben und Tod, Liebe und Familie hätte werden können. Gegen den bald einsetzenden Absturz der Geschichte kommt sie jedoch nicht an. Die Dialoge werden immer gespreizter, die Stimmung schwülstig, das vorhersehbare Ende zögert sich quälend lang hinaus. Die Entwicklung der Figuren opfert Médem auf dem Altar der Effekthascherei, etwa im Fall von Daní, der seiner kranken Mutter nicht mehr in die Augen schauen kann: Vom Film ausgiebig umhegt, wird er schlussendlich fallen gelassen, das Motiv des Blicks entpuppt sich als bloße Vorbereitung für eine pathetische Szene.

Und was wird aus dem geheimnisvollen Mädchen? Es geistert als seltsame Leerstelle herum. Mit der Öde des Films kämpfend hat das Publikum aber keine Kraft mehr, um sich darüber zu wundern.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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