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Einführung in das Denken von Jacques Rancière und Vaterliebe

Feuilleton | aus FALTER 27/16 vom 06.07.2016

Der französische Philosoph Jacques Rancière (Jg. 1940) erzählt im Gespräch mit Passagen-Verleger Peter Engelmann seinen intellektuellen Werdegang und erklärt seine zentralen Begriffe. Es geht um die Anfänge als Schüler Althussers und den Bruch mit der Marx-Interpretation des Lehrers nach den Umwälzungen des Mai 1968, um Rancières Karriere an der Reformuni Paris VIII und die verhinderte Berufung als Professor für Philosophie.

Engelmann kitzelt mit klugen Fragen Definitionen etwa zu "Politik", "Polizei" und "Demokratie" heraus - Begriffen, die Rancière radikal anders gebraucht als die klassische politische Philosophie. Auch die Hinwendung zur Ästhetik, dem Fach, in dem Rancière schließlich doch noch eine Professur erhält, kommt nicht zu kurz. Der schmale Band ist viel mehr als Fanlektüre, er leistet eine konzise Einführung in das anspruchsvolle Denken Rancières. FLORIAN BARANYI

Fallbeispiele für missglückte Vater-Kind-Beziehungen finden sich in Victor Chus "Vaterliebe" zuhauf. Die daraus entstandenen seelischen Verletzungen kuriert der Arzt und Psychotherapeut mittels systemischer Familienaufstellung. Was in seiner Praxis gut funktioniert, wird zum Fundament einer theoretischen Annäherung, ergänzt durch eigene Erfahrungen des Vaters von vier Kindern. Um wissenschaftliche Untermauerung bemüht, zitiert Chu einige Klassiker der Psychologie, jedoch kaum aktuelle Studien. Umso fleißiger generiert er eigene Hypothesen, etwa dass die Position des Vaters in der Familie zunehmend erodiere, wobei er Familie mit "Vater-Mutter-Kind" gleichsetzt.

Wer immer schon erfahren wollte, "was das erwachsene Kind tun kann, um die Beziehung zum Vater wieder herzustellen", wird gut bedient. Wer in Buchhandlungen die Ratgeber-Ecke meidet, kann "Vaterliebe" aber getrost liegenlassen. ANDREAS KREMLA


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