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Der Streit geht weiter: Erdogan vs. Böhmermann

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 27/16 vom 06.07.2016

Ende März trug der deutsche Satiriker Jan Böhmermann ein Schmähgedicht gegen den türkischen Präsidenten Recep Erdoğan vor, weil dieser davor aufgrund eines ARD-Satire-Lieds den deutschen Botschafter zu sich zitiert hatte.

Erdoğan verstand auch bei Böhmermann keinen Spaß, klagte ihn zivilrechtlich und ging strafrechtlich gegen ihn vor. Die Justiz ermittelt nun wegen des Straftatbestands "Beleidigung von Vertretern ausländischer Staaten". Im Mai verbot das Hamburger Landgericht Böhmermann außerdem, den Großteil des Gedichts zu wiederholen, da es ehrverletzend sei.

Der Fall führte zu diplomatischen Verwerfungen, einer Debatte über Meinungsfreiheit und einem langen Wikipedia-Eintrag namens "Böhmermann-Affäre". Nun wird der Eintrag wieder länger, denn der türkische Präsident geht weiter gegen Böhmermann vor.

Erdoğans Anwalt will nun auch jene Zeilen des Gedichts, die weiterhin aufgrund der Kunst- und Meinungsfreiheit erlaubt sind, verbieten lassen. Hintergrund: Böhmermann erklärte in einem Zeit-Interview, er sei nicht der Urheber des Gedichts gewesen, sondern habe es im Internet gefunden. Erdoğans Anwalt argumentiert nun, Böhmermann könne sich als Nicht-Urheber folglich nicht auf die Kunstfreiheit berufen.


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